Mord an Austauschstudentin "Engelsgesicht" vor Gericht
Perugia - Die Tat hatte in Italien großes Entsetzen ausgelöst: Eine US-Studentin und ihr Ex-Freund stehen seit Freitag wegen eines mutmaßlichen Sexualmordes an einer britischen Austauschstudentin in Italien vor Gericht. Die 21-Jährige
Amanda K. und ihr italienischer Ex-Freund stehen im Verdacht, in der Universitätsstadt Perugia im November 2007 Amandas Mitbewohnerin getötet zu haben.
Angeklagte Amanda K. "Engelsgesicht mit Eisaugen"
Foto: REUTERSDie junge Britin Meredith K. war am 2. November 2007 halbnackt und mit durchgeschnittener Kehle in der Wohnung gefunden worden, die sie gemeinsam mit der US-Studentin und zwei Italienerinnen in Perugia bewohnte. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft wurde sie getötet, weil sie sich weigerte, bei Sexspielen mitzumachen.
Nach Überzeugung der Ankläger soll die US-Studentin ihre Mitbewohnerin erstochen haben, während ihr italienischer Freund und ein Einwanderer aus der Elfenbeinküste sie festhielten. Alle drei hätten zuvor Hasch geraucht. Der Ivorer wurde wegen seiner Beteiligung an dem Mord im vergangenen Oktober zu 30 Jahren Haft verurteilt.
Die Eltern der getöteten Britin fordern von den mutmaßlichen Mördern Schmerzensgeld in Höhe von 30 Millionen Euro. Auch ein kongolesischer Einwanderer, den die US-Studentin zunächst der Tat bezichtigt hatte, fordert in dem Prozess Entschädigung.
Der Prozess weckt in Italien wegen der von der Presse verbreiteten sexuellen Details und Fotos der Angeklagten auf deren Websites für ein riesiges Medieninteresse. Am ersten Prozesstag reisten mehr als hundert Reporter an.
Ein Reigen aus Sex-Spielen, Drogenkonsum und tödlicher Gewalt steht im Mittelpunkt. "Engelsgesicht mit Eisaugen" nennt Italiens Presse die angeklagte Amanda K., die noch im Dezember aus der Untersuchungshaft heraus Schlagzeilen machte: Die junge Frau hatte mit Zellengenossinnen einen 55-minütigen Streifen über eine Gefängnis-Insassin gedreht und in dem Film selbst die Hauptrolle übernommen.
Bei dem Filmprojekt handelte es sich um eine Initiative der Sozialbehörden der Region Umbrien. Die Projektion des umstrittenen Knast-Streifens wurde jedoch wegen des anstehenden Prozesses der Hauptdarstellerin verschoben.