Mord im Kölner Hilton: Ein beinahe perfektes Verbrechen - DER SPIEGEL
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Mord im Kölner Hilton Ein beinahe perfektes Verbrechen

Ein brutaler Mord in exklusiver Umgebung, ein prominentes Opfer und ein Hauptverdächtiger, der hartnäckig schweigt - der Fall klingt wie ein spannender Krimi. Vor zwei Jahren starb der Fotograf Nikolaus Geyer im Kölner Hilton-Hotel. Nun stehen die mutmaßlichen Täter vor Gericht.
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Köln/Berlin - Ab dem kommenden Dienstag beschäftigt sich die 11. Große Strafkammer des Kölner Landgerichts mit dem gewaltsamen Tod des Fotografen. Die beiden Angeklagten sollen Nikolaus Geyer aus Berlin im August 2005 ins Kölner Hilton Hotel gelockt und dort mit einem Baseballschläger erschlagen haben.

Die Staatsanwaltschaft geht von einem gemeinsam gefassten Tatplan aus. Laut Anklage hat der 31-jährige mutmaßliche Haupttäter aus "Hass, Wut und Eifersucht" gehandelt. Seine Lebensgefährtin habe vor Jahren eine enge Beziehung zu dem Opfer gehabt. Der Mann ist derzeit wegen eines Betrugsdelikts in Berlin inhaftiert und streitet den Mord ab. Auch der zweite Angeklagte befindet sich seit Monaten in Untersuchungshaft.

Die Mitglieder der Kölner Mordkommission "MK Foto" konnten ermitteln, wie akribisch die Täter ihre tödliche Falle vorbereitet haben: Einer von ihnen checkte am Samstag, den 20. August 2005, um 19.02 Uhr im Hilton-Hotel ein. Dort mietete er unter dem falschen Namen Lars Rodenstock die Suite Nummer 715. Das Anmeldeformular musste ein Hotelbediensteter ausfüllen, da der Gast die rechte Hand bandagiert hatte. Aus diesem Grund gibt es auch keine Schriftproben von ihm. Der angebliche Lars Rodenstock zahlte in bar, was im Hilton unüblich ist. Gegenüber den Angestellten gab er an, seine Frau treffe in zwei Stunden ein, sie habe die Kreditkarten und Personalausweise dabei.

Als einziges Gepäckstück führte der Gast eine Golftasche mit sich. In ihr, so sind die Fahnder überzeugt, verbarg sich die Tatwaffe, vermutlich ein Baseballschläger. Um 19.20 Uhr betrat der zweite Täter das Hotel und ging zum Zimmer 715. Schließlich kam um 19.44 Uhr auch Nikolaus Geyer in das Hotel. Er lud seine umfangreiche Foto-Ausrüstung auf einen Rollwagen und fuhr damit ebenfalls in die Suite 715.

Anhand der Spurenlage geht die Polizei davon aus, dass Geyer unmittelbar nach Betreten des Hotelzimmers angegriffen wurde. Er starb durch massive Schläge gegen den Kopf. Nur Minuten später, um 20.02 Uhr, verließen die beiden Täter das Hotel.

Geyer wurde erst am folgenden Tag von einem Zimmermädchen in einer Blutlache liegend am Tatort gefunden. Die Täter wurden von den Überwachungskameras im Foyer des Hotels aufgenommen. Allerdings sind sie durch ihre Baseball-Kappen und die vor das Gesicht gehaltenen Handys kaum zu erkennen.

Vermutlich war das Opfer mit der Aussicht auf einen lukrativen Foto-Job gelockt worden. Ein unbekannter Auftraggeber hatte Geyer am 19. August telefonisch angeheuert, um den Mainzer Kardinal Karl Lehmann zu fotografieren, der sich anlässlich des Papstbesuches in Köln aufhielt. Später sollte Geyer den langjährigen Manager der Schumacher-Brüder, Willi Weber, auf einer Prominenten-Party ablichten. Beide Aufträge waren offensichtlich nur vorgetäuscht.

Der 37-Jährige Fotograf hatte sich mit Reportagen für Magazine und Zeitungen wie "Newsweek", "Zeit", "Geo" und "Mare" einen Namen gemacht. Bei den Ermittlungen hat die Polizei mehrere hundert Personen aus seinem Umfeld überprüft. Dabei fiel auch der jetzige Hauptverdächtige auf. Die Telefonnummer seiner Freundin soll in Geyers Unterlagen gewesen sein.

Der Anwalt des mutmaßlichen Haupttäters nannte die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft "absurd". Die Schwurgerichtskammer hat 21 Tage für die Hauptverhandlung angesetzt. Insgesamt sollen über 70 Zeugen gehört werden. Mit einem Urteil wird Ende Oktober gerechnet.

Markus Peters, ddp