Mordfall Falcone: Acht Verdächtige verhaftet - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Mordfall Falcone Ermittler verhaften acht Verdächtige

Er war eine Symbolfigur im Kampf gegen die Mafia: Vor mehr als 20 Jahren wurde der italienische Richter Giovanni Falcone ermordet. Nun wurden acht Verdächtige verhaftet.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Palermo - Im Fall des 1992 ermordeten Anti-Mafia-Richters Giovanni Falcone auf Sizilien sind acht Haftbefehle erlassen worden. Die Verdächtigen seien bereits in Untersuchungshaft, teilte die italienische Anti-Mafia-Behörde mit. Unter den Verdächtigen seien der Mafia-Boss Salvo Madonia und der Fischer Cosimo d'Amato, der den für das Attentat auf Falcone verwendeten Sprengstoff besorgt haben soll. Dabei handelte es sich um im Meer gefundene Reste von Sprengsätzen aus dem Zweiten Weltkrieg.

Falcone war eine Symbolfigur im Kampf gegen die Cosa Nostra. Der Chef der Anti-Mafia-Behörde, Arturo De Felice, sprach nach den Verhaftungen von einem "fundamentalen Element" bei der Suche nach der Wahrheit.

Es sei gelungen, fehlende Puzzle-Teile zur Vorbereitung und Ausführung des Anschlags zusammenzutragen und einige Personen aus dem kriminellen Umfeld nun klarer zu sehen, teilten Ermittler mit. Dazu gehöre der Clan des Giuseppe Graviano, der ein Bindeglied darstellen könnte zwischen dem Attentat auf Falcone und dem ebenfalls tödlichen Anschlag auf dessen Anti-Mafia-Kollegen Paolo Borsellino zwei Monate später, hieß es von der Staatsanwaltschaft Caltanissetta.

Die neuen Erkenntnisse der Anti-Mafia-Polizei stützen sich auf Geständnisse zweier früherer Mafiosi. Sie hatten von einer Verwicklung eines Mafia-Clans in den spektakulären Anschlag erzählt. Für die Morde hatte sich später der Mafia-Boss Giovanni Brusca vor Gericht verantworten müssen. Über mögliche Hintermänner wie den "Boss der Bosse" Totò Riina hielten sich aber Spekulationen, auch über die möglichen politischen Beweggründe einer ganzen Reihe von Anschlägen der sizilianischen Mafia in den Jahren 1992 und 1993.

Falcone, seine Frau Francesca Morvillo und drei seiner Leibwächter waren am 23. Mai 1992 während einer Autofahrt in Capaci bei Palermo durch eine ferngesteuerte Bombe getötet worden. Dabei explodierten auf der Straße, die vom Flughafen ins Zentrum von Palermo führt, 500 Kilogramm Sprengstoff.

ulz/dpa/AFP