Mordfall Peggy: Rätselhafte SMS - DER SPIEGEL
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Mordfall Peggy Rätselhafte SMS

Im spektakulären Mordfall an der neunjährigen Peggy sind Details der Ermittlungen bekannt geworden, die für eine Wiederaufnahme des Verfahrens sprechen könnten. Eine Bürgerinitiative setzt sich dafür schon seit Jahren ein.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die damals neunjährige Peggy Knobloch war im Mai 2001 im  oberfränkischen Lichtenberg spurlos verschwunden, drei Jahre später wurde nach langwierigen Ermittlungen der geistig behinderte Ulvi K. wegen Mordes an dem Mädchen verurteilt. Der 28-jährige K. bestreitet die Tat jedoch, Peggys Leiche wurde bislang nicht gefunden. Eine Bürgerinitiative, die von der Unschuld des Verurteilten überzeugt ist, fühlt sich nun durch Vermerke in den Ermittlungsakten bestärkt. 

So registrierte die Polizei im Juni 2001, genau einen Monat nach dem  angeblichen Mord, eine SMS von einem Handy, dessen Eigentümer in Peggys persönlichem Umfeld lebte. "Ich habe meine Mama schon lange nicht mehr gesehen", so die Nachricht an eine Bekannte der Familie. Die Ermittler nahmen seinerzeit an, dass Peggy Zugang zu dem Mobiltelefon hatte, kamen aber mit dieser Spur nicht weiter. 

Mysteriös erscheinen auch Flecken auf einem T-Shirt, das Peggy kurz vor ihrem Verschwinden trug. Eine hohe Zahl von Spuren sprechen laut kriminaltechnischer Untersuchung "für einen intensiven Kontakt" mit dem Handy-Eigentümer und gelangten auf das T-Shirt, wie es in den Akten heißt, "in angezogenem Zustand". Der Handy-Inhaber versichert, nie mit diesen Erkenntnissen konfrontiert worden zu sein; er könne  sich die Aktenvermerke nicht erklären. Die Staatsanwaltschaft Hof konnte bislang aus Termingründen keine Auskunft zu den Spuren geben.

Der geistig behinderte Ulvi K. hatte Monate nach Peggys Verschwinden nach der Tat ein Geständnis abgelegt. Er habe sie erstickt, damit sie nicht verrate, dass er sie sexuell missbraucht habe. Ulvi K. widerrief das Geständnis. Das Gericht verurteilte ihn im April 2004 dennoch wegen Mordes zu lebenslanger Haft, weil er laut Gutachten solche Geschichten nicht erfinden könne und weil er ein Motiv hatte. Was der Justiz fehlte, waren Beweise und eine Leiche.

Daraufhin hatte sich eine Bürgerinitiative für Ulvi K. formiert, der unter anderem Peggys Großeltern angehören. Die zwei Dutzend Lichtenberger wollen nun selbst Peggys Leiche finden und den Mörder überführen.

Conny Neumann

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