Mordfall Tobias Angeklagter will aussagen
Angeklagter im Mordfall Tobias: Der Mann ist geständig
Foto: Bernd Weißbrod/ dpaStuttgart - Am 30. Oktober 2000 wurde der elfjährige Schüler Tobias mit 38 Messerstichen getötet. Erst mehr als elf Jahre später, im vergangenen August, kam die Polizei auf die Spur des mittlerweile 48-jährigen Angeklagten Rolf H. Nun wird dem mutmaßlichen Täter vor dem Landgericht Stuttgart der Prozess gemacht.
Die Anklage wirft Rolf H. Mord und versuchten sexuellen Missbrauch vor. Der Beschuldigte habe Tobias wegen angeblicher Probleme mit seinem Fahrrad angesprochen und hinter eine Hütte gelockt. Dort habe er den Jungen bedroht, um ihn sexuell zu missbrauchen. "Tobias hatte dem Angriff auf sein Leben, der immer noch völlig überraschend kam, nichts entgegenzusetzen", sagte Staatsanwalt Albrecht Braun.
Der Angeklagte erklärte sich zwar zu einer Aussage vor Gericht bereit, sein Anwalt beantragte aber, dabei die Öffentlichkeit auszuschließen, um seinen Mandanten nicht als "abartiges Monster" an den Pranger zu stellen. Die Familie von Tobias dringt auf eine öffentliche Aussage.
Die Leiche des Jungen war im Oktober 2000 in einem Weiher in Weil im Schönbuch gefunden worden. Eine der umfangreichsten DNA-Analysen Deutschlands, bei der mehr als 13.000 Menschen überprüft wurden, lieferte der Polizei keine Hinweise. Immer wieder wurden Verdächtige überprüft, die einen Bezug zu Opfer oder Tatort hatten: Angler, Waldarbeiter, Jäger - doch die Suche blieb lange erfolglos.
Erst Internetrecherchen zu Kinderpornografie führten die Ermittler zufällig zum Angeklagten. Rolf H. war auf einschlägigen Web-Seiten unterwegs, bei einer Durchsuchung fand die Polizei Zeitungsausschnitte zum Fall Tobias, die sie stutzig machten. Ein DNA-Abgleich des Mannes mit Spuren vom Tatort war positiv. Der Angeklagte gestand der Polizei, Tobias ermordet zu haben. Seit August vergangenen Jahres sitzt er in Untersuchungshaft.
Für den Prozess sind zunächst 15 Termine bis zum 16. Mai angesetzt.