Polizisten getötet Todesfahrer ist offenbar psychisch krank
Bundesstraße zwischen Oegeln und Beeskow
Foto: Patrick Pleul/ dpaNach dem gewaltsamen Tod einer 79-Jährigen und zweier Polizisten in Brandenburg hat der 24-jährige Verdächtige die Taten gestanden. Er habe in der Vernehmung die Tötung seiner Großmutter zugegeben und erklärt, beide hätten zuvor um Geld gestritten, sagte Staatsanwältin Ricarda Böhme. Der junge Mann habe der Seniorin eine Schnittverletzung am Hals zugefügt. Die Frau verblutete.
Der Mann räumte Böhme zufolge ein, auf der Flucht die beiden Polizisten an einer Kontrollstelle in Oegeln im Landkreis Oder-Spree überfahren zu haben. Als Motiv habe der 24-Jährige angegeben, er habe Angst gehabt von den Beamten erschossen zu werden, wenn er gestoppt werden würde. In allen Fällen nehmen die Ermittler Mord aus niedrigen Beweggründen an. "Wer so schnell auf Polizisten zurast und sie umfährt, hat das Auto als Waffe genutzt", so Böhme.
Die Staatsanwaltschaft beantragte zudem einen Unterbringungsbefehl. Der Mann soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft umgehend in eine geschlossene Psychiatrie gebracht werden. Er liegt derzeit verletzt in einem Krankenhaus. Ob er bei den Taten unter Drogen- oder Alkoholeinfluss stand, ist noch offen. Die Ergebnisse von Blutuntersuchungen lagen laut Böhme noch nicht vor.
Anklagen wegen Raub und Diebstahl
Der 24-Jährige war den Behörden schon seit einiger Zeit als psychisch auffällig bekannt. Von 2013 bis 2015 saß er anderthalb Jahre in Jugendhaft. "Insgesamt liegen sechs Zentralregister-Einträge unter anderem wegen Gewaltdelikten vor", sagte Böhme.
Wohnhaus der Großmutter in Müllrose
Foto: Patrick Pleul/ dpaMitte November 2016 musste der Mann sich vor dem Landgericht in Frankfurt an der Oder unter anderem wegen Raubs, Diebstahls und Fahrens ohne Führerschein verantworten, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Die Anklage habe in dem Prozess auf eine Unterbringung des Mannes in der geschlossenen Psychiatrie gedrängt, sagte eine Sprecherin der Behörde (AZ: 26 Kls 13/16).
Das Gericht sei diesem Antrag zwar gefolgt, habe aber die Maßnahme zur Bewährung ausgesetzt, da ein Gutachter dem Angeklagten Behandlungsfähigkeit bescheinigt hatte. Er wurde wegen der attestierten psychischen Erkrankung als schuldunfähig von allen Vorwürfen freigesprochen.
Eine Landgerichts-Sprecherin zeigte sich von den jüngsten Ereignissen bestürzt. Sie betonte, der Verdächtige habe unter Bewährungs- und Führungsaufsicht gestanden.
Der Brandenburger Landtag gedachte mit einer Schweigeminute der beiden getöteten Polizisten. "Fassungslos stehen wir vor dieser Gewalttat. Aus einem ganz normalen Diensttag wurde ein Albtraum", sagte Landtagspräsidentin Britta Stark.