München: Attacke mit Pyrotechnik auf israelisches Lokal – Antisemitismus vermutet - DER SPIEGEL
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Mutmaßlich antisemitisches Motiv Attacke mit Pyrotechnik auf israelisches Lokal in München

Fensterscheiben zerstört, Pyrotechnik gezündet: Ein israelisches Restaurant in München ist in der Nacht zum Ziel eines offenbar antisemitischen Angriffs geworden. Nun ermittelt der Staatsschutz.
Polizist am Tatort in München
Polizist am Tatort in München

Polizist am Tatort in München

Foto: Felix Hörhager / dpa

Nach dem Anschlag auf ein israelisches Restaurant in München geht die Polizei von einem antisemitischen Motiv bei der Tat aus. Der Staatsschutz ermittelt. Er ist für Taten mit möglichem politischen Hintergrund zuständig. Verletzt wurde niemand, der oder die Täter konnten bisher nicht gefasst werden.

»Nach derzeitigem Ermittlungsstand wurden die Schaufensterscheiben gewaltsam beschädigt und pyrotechnische Gegenstände in das Restaurant geworfen«, teilte die Polizei mit. »Um welche Art es sich dabei handelte, ist Gegenstand der Ermittlungen.« Der Sachschaden wurde auf mehrere Tausend Euro geschätzt.

Ein Anwohner hatte den Angaben zufolge die Ermittler alarmiert. Die Einsatzzentrale der Polizei habe gegen 0.45 Uhr einen Anruf erhalten, wonach es in der Maxvorstadt an dem Lokal drei laute Knallgeräusche gegeben habe, sagte ein Polizeisprecher Schenk. Eine Streife stellte demnach vor Ort fest, dass Fensterscheiben des Lokals an drei Stellen defekt waren.

»Wir werden auch heute wieder öffnen«

Der Angriff kam nach Angaben eines Restaurantmitarbeiters ohne Vorwarnung. »Es gab keine direkten Drohungen«, sagte der Schwager des Betreibers, Grigori Dratva. Das Restaurant betreibe sein Schwager seit 2007. »Wir haben uns eigentlich in München immer sehr sicher gefühlt.«

Am Donnerstagabend sei das Lokal bis 23 Uhr geöffnet gewesen. Als der oder die Täter zuschlugen, hatte es demnach geschlossen. »Wir werden auch heute wieder öffnen«, kündigte Dratva am Morgen an. »Wir lassen uns nicht einschüchtern.« Seinen Angaben zufolge sind die Scheiben des Restaurants, das im Innenbereich etwa 70 Plätze für Gäste anbietet, mittlerweile provisorisch verklebt. Sie sollen später repariert werden.

Nach dem Überfall islamistischer Terroristen auf Israel am 7. Oktober 2023 habe jemand einmal einen Aufkleber an eine Fensterscheibe geklebt, mit dem propalästinensischen Slogan »Free Palestine«, so Dratva. Die Polizei sei eingeschaltet worden, die Hintergründe seien allerdings unklar geblieben, sagte Dratva.

Starker Anstieg antisemitischer Vorfälle

Nach dem Hamas-Massaker mit mehr als 1000 getöteten Israelis im Oktober 2023 und dem folgenden Gazakrieg mit Tausenden zivilen palästinensischen Opfern ist die Zahl antisemitischer Vorfälle in Bayern nach Angaben der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias) stark gestiegen.

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Israel steht derzeit auch im Fokus wegen seiner Beteiligung am Krieg gegen Iran sowie seines Kriegs mit der Hisbollah im Libanon. Erst am Mittwoch hatte die Armee dort schwere Angriffe gegen die Schiitenmiliz geführt, denen nach libanesischen Angaben auch zahlreiche Zivilisten zum Opfer fielen. Aber auch unabhängig von den Nahostkonflikten gibt es Antisemitismus, etwa in rechtsextremen Kreisen.

wit/dpa/AFP