Natascha Kampusch: Interview ohne Maske oder Verkleidung - DER SPIEGEL
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Natascha Kampusch Interview ohne Maske oder Verkleidung

Natascha Kampusch hat ihr erstes Interview über die langen Jahre in der Gefangenschaft ihres Entführers Wolfgang P. gegeben. Auf eigenen Wunsch trug sie weder eine Sonnenbrille noch eine Verkleidung. Heute Abend soll das Gespräch ausgestrahlt werden.
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Wien - Natascha Kampusch sei zur Aufzeichnung des Gesprächs gestern "ohne Sonnenbrille oder sonstige Verkleidung" erschienen. Das sagte ein Sprecher des Österreichischen Rundfunks ORF in Wien. Die junge Frau habe aber noch nicht darüber entschieden, ob ihr Gesicht bei der Ausstrahlung des Interviews technisch verfremdet wird.

Kampusch gibt in dem Gespräch erstmals selbst Auskunft über ihre Entführung, ihre acht Jahre Gefangenschaft im Haus von Wolfgang P. und ihre Flucht. Gemeinsam mit ihrem Medienberater, Dietmar Ecker, und ihren Betreuern hat die 18-Jährige aus einem Fragenkatalog jene Themen ausgewählt, über die sie sprechen wollte. Laut Ecker ist es "ein ausdrücklicher Wunsch" der jungen Frau, die Öffentlichkeit persönlich über ihr Schicksal zu informieren.

Das Gespräch wird heute um 20.15 vom ORF und um 21.15 Uhr vom deutschen Privatsender RTL in einem "Extra-Spezial" ausgestrahlt. Es dauert nach ORF-Angaben etwa 20 Minuten. Zusätzlich wird Moderatorin Birgit Schrowange auf RTL Beiträge zum Hintergrund des spektakulären Entführungsfalls präsentieren. Direkt im Anschluss wird Günther Jauch in stern TV live mit Nataschas Vater sprechen. Die ARD hat Rechte zur Ausstrahlung nach Mitternacht erworben. Der Preis für die Zweitausstrahlung liegt nach Medieninformationen bei mehreren hunderttausend Euro.

ORF-Reporter Christoph Feurstein, der das Interview führte, hatte bereits vorher angekündigt, heikle Fragen auszuklammern: "Für mich ist etwas ganz klar, dass ich sie sicher nicht über irgendwelche sexuellen Beziehungen fragen werde", hatte der Journalist angekündigt. "Das ist der heikelste Bereich, der für die Öffentlichkeit jetzt auch nicht interessant sein sollte." Er wollte den Schwerpunkt auf das neue Leben der jungen Frau nach ihrer Flucht legen.

Medienberater Ecker hat nach eigenen Angaben rund 300 Anfragen internationaler Medien für ein Exklusiv-Interview erhalten. Neben dem ORF, der auch den Weiterverkauf organisieren soll, kommen in Wien die Boulevardzeitung "Kronen Zeitung" und die Info-Illustrierte "News" zum Zug. Die Interviews sollen in den Donnerstag-Ausgaben erscheinen, die ab dem späten Mittwochnachmittag in Wien erhältlich sind. Welche weiteren Fernsehsender Rechte für die Ausstrahlung erworben haben, konnte der ORF heute noch nicht mitteilen.

Natascha Kampusch war am 2. März 1998 als Zehnjährige auf dem Schulweg gekidnappt und von ihrem Entführer Wolfgang P. mehr als acht Jahre in einem Haus in Strasshof bei Wien festgehalten worden. Er hielt sie in einem winzigen versteckten Verlies unter seiner Garage gefangen. Am 23. August gelang der jungen Frau die Flucht. Seitdem wird sie an einem geheim gehaltenen Ort medizinisch und psychologisch betreut und hält selbst zu ihren Eltern nur telefonisch Kontakt. Ihr Entführer nahm sich wenige Stunden nach ihrer Flucht das Leben.

ler/dpa/AFP

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