Überfall in Hoyerswerda Mutmaßliche Neonazis geben sich vor Gericht ahnunglos
Angeklagte vor Gericht: Die mutmaßlichen Neonazis schweigen oder finden Ausflüchte
Foto: Carsten Koall/ Getty ImagesHoyerswerda - Acht wegen Bedrohung und Beleidigung angeklagte mutmaßliche Neonazis haben zum Auftakt des Prozesses in Hoyerswerda weitgehend Erinnerungslücken geltend gemacht. Die Männer im Alter zwischen 18 und 36 Jahren sollen sich laut Anklage im Oktober 2012 vor der Wohnung eines damals 33 Jahre alten Mannes zusammengerottet und Todesdrohungen gegen ihn ausgesprochen haben. Der gleichaltrigen Freundin des Mannes hätten sie mit Vergewaltigung gedroht, heißt es in der Anklageschrift.
Das Paar hatte sich gegen Rechtsextremismus engagiert und nach eigenem Bekunden mitten am Tag rechtsradikale Parolen beseitigt: Monique und Ronny hatten Plakate heruntergerissen, Aufkleber abgekratzt oder überklebt. Der Fall erregte damals bundesweit Aufsehen, weil die Polizei den Opfern nach dem Übergriff nahegelegt hatte, aufgrund der Bedrohung die Stadt zu verlassen. Das wurde als Kapitulation vor Rechtsextremismus empfunden.
Der Prozessauftakt verzögerte sich am Dienstag um mehrere Stunden, weil einer der Beschuldigten nicht erschienen war. Richter Michael Goebel ließ ihn an seinem Wohnort in Bautzen von der Polizei abholen. Der ursprünglich nur auf einen Tag angelegte Prozess konnte darum nicht zu Ende geführt werden und soll nun am 27. Januar fortgesetzt werden.
Angeklagte flüchten sich in Alkoholausrede
Nur drei der Beschuldigten wollten sich zu den Vorwürfen äußern. Sie gaben zu Protokoll, an dem betroffenen Abend betrunken gewesen zu sein. Nach Darstellung eines der mutmaßlichen Täter fand die ganze Aktion geradezu im Vollrausch statt. Warum die Polizei seinerzeit keine Alkoholtests machte, bleibt unklar.
Ronny und Monique, die den Prozess auch als Nebenkläger verfolgen, gehen dagegen von einer gezielten Aktion aus. Davon ist auch die Staatsanwaltschaft überzeugt. Rechtsanwalt Klaus Bartl, der die beiden Opfer vertritt, sieht in dem Vorgehen der Täter einen schweren Landfriedensbruch.
Tatsächlich sollen mehrere Beschuldigte zunächst die Glühbirnen im Hausflur und später auch die Sicherungen herausgedreht, sowie die Türspione im Treppenhaus zugeklebt haben. Das alles spricht aus Sicht der Opfer für eine vorbereitete Aktion.
Noch 15 Monate nach dem Geschehen merkte man den beiden ihre seelischen Verletzungen an. Monique weinte mehrmals, Ronny sprach von Panikattacken und Angst auch Monate nach dem Geschehen. "Man dreht sich ständig um, prüft immer genau, mit wem man redet und wo man abends hingeht", gab er zu Protokoll.
Das Paar hat Hoyerswerda unmittelbar nach den traumatischen Erlebnissen verlassen. Die Adresse bleibt auch in der Verhandlung geheim. Zu groß ist die Angst vor einem weiteren Übergriff.