Neue Ermittlungen im Fall Kampusch : "Es darf nicht sein, dass weitere Täter ungestraft bleiben" - DER SPIEGEL
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Neue Ermittlungen im Fall Kampusch "Es darf nicht sein, dass weitere Täter ungestraft bleiben"

Einer der größten Kriminalfälle Österreichs wird neu aufgerollt: Hatte der Täter, der Natascha Kampusch entführte und jahrelang gefangen hielt, Komplizen? Das Opfer selbst gab sich heute kämpferisch: Falls es weitere Täter gebe, müssten diese zur Rechenschaft gezogen werden.
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Wien - Es gibt noch Klärungsbedarf im Entführungsfall Natascha Kampusch: Das österreichische Justizministerium hat bestätigt, das die Ermittlungen im Fall Natascha Kampusch wieder aufgenommen werden.

"Wichtigste Motivation", sagte Ministerin Maria Berger, sei für sie die immer wieder auftauchende Theorie, dass es beim Kidnapping der damals Zehnjährigen Mittäter gegeben haben könnte. Dies könne schließlich bedeuten, "dass es weitere potentielle Opfer gibt". Im Interesse dieser potentiellen Opfer "ist es besser, einmal zu viel als einmal zu wenig ermittelt zu haben".

Das Entführungsopfer von damals, die heute 20-jährige Natascha Kampusch, begrüßt die Wiederaufnahme der Ermittlungen. "Ich finde es gut, dass sich die Behörden dazu entschieden haben, mehr Licht in meinen Entführungsfall zu bringen", sagte sie. "Es darf nicht sein, dass mögliche weitere Täter, von denen ich keine Kenntnis habe, ungestraft bleiben."

Nach Informationen der "Presse" könnten die neuen Ermittlungen in dem Fall bereits in der nächsten Woche beginnen. Unter anderem sei zwischen den zuständigen Justiz- und Innenministerien die Bildung einer neuen Sonderkommission vereinbart worden.

In dieser sollen neue, unbelastete Ermittler eingesetzt werden, die bisher mit dem Fall nichts zu tun hatten. Ihre Aufgabe: feststellen, ob in dem Fall "handwerkliche Fehler" gemacht wurden.

Natascha Kampusch, so heißt es, könne mit einer hohen Entschädigung rechnen, falls die neue Soko der Kriminalpolizei schwere Ermittlungsfehler nachweist.

Kampusch wurde im März 1998 auf dem Schulweg in Wien entführt und achteinhalb Jahre in einem Kellerverlies gefangen gehalten. Am 23. August 2006 entkam sie in einem unbeobachteten Moment.

Ihr Peiniger Wolfgang Priklopil nahm sich unmittelbar danach das Leben. Der Fall erregte in ganz Europa großes Aufsehen. Über die Wiederaufnahme von Ermittlungen war bereits im Juni dieses Jahres in Medienberichten spekuliert worden - damals dementierte die Wiener Staatsanwaltschaft.

Mehrere Besprechungen zwischen Innenministerium und dem Justizressort, heißt es nun, hätten zum Entschluss der Wiederaufnahme des Ermittlungsverfahrens geführt. Grundlage für die Ermittlungen ist dem Blatt zufolge unter anderem die Zeugenaussage einer Zwölfjährigen, die die Entführung beobachtet und unmittelbar danach von zwei Tätern berichtet habe.

Auch Einflüsse von Opferschutzorganisationen auf die Vernehmung Kampuschs führt die Tageszeitung als Grund an. Ein Freund und Geschäftspartner des Entführers Wolfgang Priklopil müsse mit einer neuerlichen Überprüfung seiner Person rechnen. Er habe laut seinem Anwalt seine Kooperation zugesagt.

cht/pad/AP/dpa

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