New Orleans "Hauptstadt des Mordes"
Hamburg - Angesichts der Plünderei nach dem Hurrikan "Katrina" sollen jetzt zusätzlich 24.000 Nationalgardisten in das Katastrophengebiet entsendet werden. Sogar Rettungshubschrauber wurden in der Nähe des Superdomes unter Beschuss genommen. US-Präsident George W. Bush kündigte ein entschlossenes Vorgehen an. "Für Menschen, die in einer Notsituation wie dieser gegen das Gesetz handeln, gibt es null Toleranz", sagte Bush in einem Interview mit dem Fernsehsender ABC.
Anarchie im Flutgebiet: Polizei kämpft gegen Plünderer
Dass die Gewaltausbrüche in New Orleans nach der Katastrophe besonders heftig ausfallen, darf nicht verwundern: Die Stadt kämpft seit Jahren gegen eine erschreckend hohe Kriminalität. Vor zehn Jahren wies New Orleans in den Statistiken landesweit sogar die höchste Zahl von Tötungsdelikten auf - was ihr den Spitznamen "Hauptstadt des Mordes" einbrachte. 421 Menschen wurden 1994 umgebracht. Die Zahl sank zwar danach, im vergangenen Jahr gab es immerhin noch 265 Tötungsdelikte - zehn Mal so viel wie im Landesdurchschnitt. Zudem steigt die Zahl seit 1999 wieder, während sie in den meisten anderen US-Metropolen zurückgeht.
2004 unternahm die Polizei ein bemerkenswertes Experiment: An einem einzigen Nachmittag schossen Beamte in einer besonders berüchtigten Gegend der Stadt insgesamt 700 Mal mit Platzpatronen in die Luft. Das Ergebnis: Niemand meldete die Schüsse bei der Polizei. Experten gehen davon aus, dass jeder, der sich an die Polizei wendet, Angst hat, Opfer eines Racheakts zu werden.