New York: Erstes Todesurteil seit Jahrzehnten - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

New York Erstes Todesurteil seit Jahrzehnten

Zum ersten Mal seit 1954 ist in New York ein Mensch zum Tode verurteilt worden. Ein 24-Jähriger soll mit der Giftspritze hingerichtet werden, weil er 2003 zwei verdeckte Ermittler der Polizei ermordete.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

New York/Huntsville - Erstmals seit mehr als 50 Jahren ist in New York ein Todesurteil verhängt worden. Der 24-jährige Ronell Wilson war im vergangenen Monat des Doppelmords schuldig befunden worden. Nach der gestern verkündeten Entscheidung der Geschworenen für die Höchststrafe soll er mit der Giftspritze hingerichtet werden.

Die Jury hatte seit Montag über das Strafmaß beraten. Ronell wurde von der Anklage vorgeworfen, 2003 zwei verdeckte Ermittler der New Yorker Polizei erschossen zu haben. Ronell habe gewusst, dass die beiden als potentielle Waffenkäufer auftretenden Ermittler Polizisten gewesen waren und habe beide vorsätzlich mit Kopfschüssen getötet. Das letzte Todesurteil in New York wurde 1954 gegen einen Bankräuber verhängt, der einen FBI-Beamten erschossen hatte.

Ronell wurde in einem Bundesverfahren verurteilt, nicht in einem Prozess des Staates New York. In den gesamten USA gibt es weniger als 50 in Strafsachen des Bundes zum Tode verurteilte Häftlinge. Drei davon, darunter der Attentäter von Oklahoma City, Timothy McVeigh, wurden seit 2001 hingerichtet.

Im US-Staat Texas indes ist gestern ein Mann mit einer Giftspritze hingerichtet worden. Er hatte im April 2003 vor den Augen seines fünfjährigen Sohnes seine schwangere Frau und deren Mutter umgebracht. Der 31-jährige Christopher Swift hatte auf alle Rechtsmittel verzichtet und nicht die Verteidigungsstrategie seiner Anwälte unterstützt, die eine Hinrichtung wegen Unzurechnungsfähigkeit verhindern wollten.

Auf die Frage, ob er eine letzte Erklärung abgeben wollte, sagte er: "Nein." Sieben Minuten nach dem Setzen der tödlichen Injektion wurde Swift für tot erklärt. Der Hinrichtung wohnten fünf seiner Freunde bei. "Er wollte von Anfang an die Todesstrafe", sagte einer seiner Anwälte, Derek Adame. Swifts Hinrichtung war die dritte in Texas in diesem Jahr.

dab/AP