Niedersachsen Polizei verhaftet Bahn-Erpresser
Berlin - Nach Angaben eines Berliner Polizeisprechers handelt es sich um einen 45 Jahre alten Mann und eine 41 Jahre alte Frau. Sie seien gestern gegen 23 Uhr in Springe von Beamten der Landeskriminalämter Berlin und Niedersachsen gefasst worden, sagte Polizeisprecher Bernhard Schodrowski.
Dem 45-Jährigen wird vorgeworfen, der Konzernzentrale der Bahn in Berlin Anfang Februar einen Tonträger zugespielt zu haben, auf dem eine verzerrte Stimme einen hohen Geldbetrag forderte, sagte Michael Grunwald, Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft. Falls nicht gezahlt werde, habe er mit Anschlägen auf Einrichtungen der Bahn gedroht.
Polizeikräfte aus Berlin und Niedersachsen gingen vermeintlich auf die Geldforderung ein und fingierten gestern eine Übergabe. Der Tatverdächtige habe die "Geldboten" durch Hinweise nach Niedersachsen gelotst, führte Grunwald an. Dort erfolgte die Festnahme des Mannes in einem Einfamilienhaus. Eine 41-Jährige wurde ebenfalls in Gewahrsam genommen. Beide werden heute von der Göttinger Polizei vernommen.
Nach ersten Erkenntnissen verfügte der Mann laut Staatsanwaltschaft nicht über die ausreichenden Mittel, die angekündigten Anschläge in die Tat umzusetzen. Im Laufe des Nachmittags wollte die Staatsanwaltschaft Berlin darüber befinden, ob nur der Mann oder auch die Frau einem Haftrichter vorgeführt werden.
"Die Bahn kann sich nicht komplett vor Anschlägen schützen"
"Ja, es gab einen erfolglosen Erpressungsversuch", bestätigte auch Bahn-Sprecher Martin Walden SPIEGEL ONLINE. Heute früh sei die Deutsche Bahn über die Festnahmen informiert worden. Mehr wollte er jedoch nicht dazu sagen, um Nachahmern keine neuen Impulse zu geben, so Walden.
Das Berliner Landeskriminalamt ermittelte seit etwa zwei Wochen, weil Unbekannte mit Anschlägen auf das landesweite Streckennetz der Deutschen Bahn gedroht hatten, bestätigte ein Sprecher. Ursprünglich war von zwei Männern, die die Deutsche Bahn erpresst haben sollen, die Rede.
Auch Bahn-Chef Hartmut Mehdorn reagierte erleichtert auf die Festnahme der beiden mutmaßlichen Täter. "Wir sind froh, dass man sie gefasst hat. Gratulation an die Polizei", sagte er am Rande des Untersuchungsausschusses zum Transrapid-Unglück. "Sorgen macht uns so etwas allemal", sagte Mehdorn, auch wenn es nicht zu Manipulationen gekommen sei. Die Bahn könne ihr Streckennetz nicht komplett vor Anschlägen schützen.
jjc/dpa/ddp