Organspendeskandal in Münster: Staatsanwaltschaft ermittelt - DER SPIEGEL
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Organspendeskandal Staatsanwaltschaft Münster ermittelt gegen Transplantationschef

Haben Ärzte am Transplantationszentrum in Münster bei der Vergabe von Lebern Patientendaten gefälscht? Nach einem Anfangsverdacht durch die Prüfungskommission ermittelt jetzt auch die Staatsanwaltschaft. Ob es zur Anklage kommt, ist noch unklar.
Lebertransplantationszentrum: Manipulationsverdacht am Uniklinikum Münster
Lebertransplantationszentrum: Manipulationsverdacht am Uniklinikum Münster

Lebertransplantationszentrum: Manipulationsverdacht am Uniklinikum Münster

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa
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Münster - An 24 Zentren werden in Deutschland Lebern transplantiert - nicht immer ging es dabei bisher mit rechten Dingen zu: Monatelang überprüfte die Bundesärztekammer (BÄK) die deutschen Lebertransplantationszentren auf Auffälligkeiten und Regelverstöße bei der Vergabe von Spenderorganen. Dabei stießen die Prüfer außer auf Göttingen, Leipzig und München auf eine weitere Universitätsklinik, an der es offenbar Manipulationen gegeben hat: Münster.

Wie jetzt bekannt wurde, ermittelt die Staatsanwaltschaft in Münster wegen des Verdachts auf Regelverstöße. Oberstaatsanwalt Heribert Beck bestätigte der Nachrichtenagentur dpa am Samstag einen entsprechenden Bericht der "Süddeutschen Zeitung". "Aber wohlgemerkt, es besteht lediglich ein Anfangsverdacht", sagte Beck. Ob es zu einer Anklage komme, sei noch offen.

Ermittelt werde zunächst gegen den Leiter der dortigen Klinik für Transplantationsmedizin, da dieser der formal Verantwortliche sei. Über eine Anklage gegen ihn oder andere Ärzte werde aber erst in einigen Monaten entschieden.

In Göttingen läuft derzeit das bundesweit erste Verfahren, in dem ein Arzt nach Manipulation von Patientendaten ein Tötungsdelikt vorgeworfen wird. Unregelmäßigkeiten waren auch aus Regensburg, Leipzig und München bekannt geworden. Dem Bericht der Prüfungskommission zufolge hatte es in Regensburg zwischen 2010 und 2011 aber doch keine Auffälligkeiten gegeben.

Die unabhängige Prüfkommission von Ärzten, Krankenhäusern und Kassen hatte nach BÄK-Angaben die Krankenakten von insgesamt 1180 Patienten kontrolliert, die 2010 und 2011 nach dem Tod gespendete Lebern erhalten hatten. Die Vorwürfe, dass es auch in Münster schwere Regelverstöße gegeben habe, hatte die Klinik zurückgewiesen. Dem Bericht zufolge seien durch Falschangaben Patienten möglicherweise auf der Warteliste nach vorne gerückt.

In Folge der Skandale waren die Spenderzahlen in Deutschland dramatisch eingebrochen. Am Donnerstag hatte der Ethikrat über das deutsche Verteilungssystem von Organen diskutiert. Einige Mitglieder fordern jetzt eine Änderung des Transplantationsgesetzes.

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cib/dpa/AFP