Lange Haftstrafe Oscar Pistorius zieht vor das höchste Gericht
Oscar Pistorius (im Januar 2016)
Foto: KAREL PRINSLOO/ AFPDer frühere Paralympics-Star Oscar Pistorius, der wegen Tötung seiner Freundin Reeva Steenkamp verurteilt wurde, zieht vor das südafrikanische Verfassungsgericht. Er hat wegen der von einem Berufungsgericht gegen ihn verhängten Haftstrafe Rechtsmittel eingelegt, wie mehrere Medien unter Berufung auf Gerichtsunterlagen berichten.
Ende November hatte das oberste Berufungsgericht Südafrikas den früheren Spitzensportler wegen Totschlags zu 13 Jahren und fünf Monaten Haft verurteilt. Die Entscheidung erhöhte das Strafmaß der vorherigen Instanz von sechs Jahren Haft deutlich. Auf Totschlag stehen in Südafrika normalerweise mindestens 15 Jahre Gefängnis, das Gericht berücksichtigte aber die schon abgesessene Zeit.
Der 31-Jährige hatte am Valentinstag 2013 seine damalige Freundin Reeva Steenkamp in seinem Haus mit vier Schüssen durch eine Toilettentür getötet. Der unterhalb der Kniee amputierte Ex-Sprinter war im Waffengebrauch geschult. Er hatte eigenen Angaben zufolge einen Einbrecher hinter der Tür vermutet.
Oscar Pistorius: Der tiefe Fall des Sportstars
Im Oktober 2014 wurde Pistorius zunächst wegen fahrlässiger Tötung zu fünf Jahren Haft verurteilt und ein Jahr später in den Hausarrest entlassen. Ein Berufungsgericht sprach ihn jedoch im Dezember 2015 des Totschlags schuldig, da er mit seinen Schüssen den Tod eines Menschen billigend in Kauf genommen habe. Im Juli 2016 wurde er schließlich zu sechs Jahren Haft verurteilt.
Das relativ milde Urteil löste in Südafrika Empörung aus. Für viele war es ein Zeichen, dass wohlhabende Angehörige der weißen Minderheit vor Gericht immer noch besser behandelt werden als Schwarze. Die Staatsanwaltschaft bezeichnete die Strafe als "schockierend milde" und legte Berufung ein.