Großeinsatz gegen Passfälscher Polizei nimmt hundert Verdächtige fest
Gefälschter tschechischer Reisepass: Von der Polizei sichergestellt
Foto: Sven Hoppe/ dpaDie Personalausweise, Reisepässe und Führerscheine, die das Bayerische Landeskriminalamt (LKA) am Mittwoch in München zeigte, wirkten täuschend echt. "Sehr, sehr gute Qualität", sagte Kriminaldirektor Torsten Wittke, bei normalen Straßenkontrollen würden die Fälschungen Beamten nicht weiter auffallen.
Die Papiere mit tschechischem Aufdruck waren aber nicht für Bürger aus der Tschechischen Republik gedacht. Sondern sie waren den Ermittlern zufolge überwiegend für georgische Staatsbürger bestimmt, die sich eine neue Identität verschaffen und mit den gefälschten Ausweisen ein Aufenthaltsrecht in der EU vortäuschen wollten.
138 Wohnungen und Objekte im Visier
Die vom LKA präsentierten Fälschungen gehören zu dem Material, das am Dienstag in einer konzertierten Polizeiaktion sichergestellt worden war. Rund tausend Beamte waren im Einsatz, davon mehr als 200 in Deutschland. Unter der Leitung des bayerischen LKA und der Münchner Staatsanwaltschaft durchsuchten sie in Spanien, Frankreich, Schweden, Griechenland, Portugal, Österreich und Deutschland 138 Privatwohnungen und andere Objekte. Hundert Personen wurden vorläufig festgenommen, vier davon in Deutschland.
Im Mittelpunkt der international agierenden mutmaßlichen Passfälscher steht den Ermittlern zufolge ein moldauisches Ehepaar. Der 40-Jährige und seine 34-jährige Frau sollen vor allem falsche oder verfälschte tschechische, rumänische und bulgarische Reisepässe und Personalausweise sowie gefälschte Führerscheine hergestellt haben.
1500 Euro für einen gefälschten Reisepass
Die Ware hatte ihren Preis: Er lag bei 250 Euro für einen Personalausweis und 1500 Euro für einen Reisepass. Gezahlt wurde per Vorauskasse, die gefälschten Dokumente wurden per Post versandt und dann mittels Kurier an verschiedene Empfänger verschickt. Dem Ehepaar, das per Haftbefehl gesucht wird, konnten bis April 2014 mehr als 300 entsprechende Postsendungen zugeordnet werden.
Ausgangspunkt für die Ermittlungen, die bereits Anfang 2013 begonnen hatten, war ein Autohändler in München: Die Polizei war ihm auf die Spur gekommen, weil er Kontakt zu drei Georgiern unterhalten hatte, die als Wohnungseinbrecher festgenommen worden waren. Der Händler hatte dem bayerischen LKA zufolge in Deutschland lebende Georgier mit gefälschten Pässen versorgt. In monatelanger Ermittlungsarbeit fügten die Behörden "Puzzlestück für Puzzlestück" zusammen, wie Wittke sagte - schließlich sei man auf das moldauische Ehepaar gestoßen.
Dem LKA zufolge wurden die gefälschten Pässe in vielen Fällen von Personen genutzt, "die in Deutschland und anderen europäischen Ländern bereits durch Eigentumsdelikte wie Diebstähle oder Einbrüche in Erscheinung getreten sind". Bei der Polizeiaktion am Dienstag wurden außer 57 gefälschten Dokumenten unter anderem Datenträger, fünf Schusswaffen, 25.000 Euro Bargeld, mehr als 300 Schmuckstücke, Uhren und Einbruchswerkzeuge sichergestellt.