Peggy Knobloch: Wie Manuel S. zum Mordverdächtigen wurde - DER SPIEGEL
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Fall Peggy Die Spur der Pollenkundlerin

Seit 17 Jahren suchen Ermittler den Mörder der kleinen Peggy, nun präsentieren sie einen Beschuldigten. Unter Verdacht geriet der 41-Jährige aufgrund winziger Spuren - und weil sein Alibi offenbar nicht stimmte.
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Es gibt nur wenige ungeklärte Mordfälle, die in den vergangenen Jahren die Republik so sehr bewegt haben: Am 7. Mai 2001 verschwindet die damals neunjährige Peggy im oberfränkischen Lichtenberg auf dem Heimweg von der Schule - zum letzten Mal gesehen wird sie um 13.24 Uhr am Henri-Marteau-Platz. Erst 15 Jahre später findet ein Pilzsammler die sterblichen Überreste des Kindes in einem Wald.

Nun ist klar, wer damals die Leiche im äußersten Süden von Thüringen vergraben hat: Manuel S. - ein heute 41 Jahre alter Mann, der schon vor Jahren zum Kreis der Verdächtigen zählte. Er hat laut Polizei die Beseitigung der Leiche gestanden. Geklärt ist der rätselhafte Fall damit allerdings noch nicht: S. bestreitet, das Kind ermordet zu haben.

Seine Version, die er vor einigen Tagen den Ermittlern erzählt haben soll, geht laut Polizei so: An einer Bushaltestelle in der Poststraße in Lichtenberg habe ihn im Frühsommer vor 17 Jahren ein Bekannter zum Anhalten aufgefordert. Dieser Mann habe ihm die Leiche des Mädchens übergeben, die dort leblos in einem Haltestellenhäuschen gelegen habe.

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Der Fall Peggy: Eine Neunjährige verschwindet

Foto: DPA/ Polizei

S. will noch versucht haben, Peggy zu beatmen - habe das tote Kind dann aber in eine rote Decke gewickelt, in den Kofferraum seines goldfarbenen Audi 80 gelegt und in einen 20 Kilometer entfernten Wald bei Rodacherbrunn im Saale-Orla-Kreis gebracht. Wenige Tage nachdem er sie dort vergraben haben will, verbrannte S. nach eigenen Angaben den Schulranzen und die Jacke des Mädchens bei sich zu Hause.

Die Ermittler haben an dieser Version offenkundig erhebliche Zweifel. Auf einer Pressekonferenz jedenfalls betonten sie, dass ausschließlich Manuel S. unter Mordverdacht stehe und gegen niemand anderes ermittelt werde - auch nicht gegen den angeblichen Überbringer der Leiche, dessen Namen Staatsanwaltschaft und Polizei nicht bekannt gaben (hier lesen Sie eine Chronologie des Falls).

Fall gelöst? Noch nicht

Dass nun S. im Mittelpunkt steht, geht auch auf ungewöhnliche Ermittlungsmethoden zurück, wie es in einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft  heißt: Eine Pollenkundlerin hatte an den Überresten der Leiche mikroskopisch kleine Torfspuren gefunden, die zu Spuren von Gehwegplatten aus dem Haus des Verdächtigen passen. S. soll am Tattag Pflanzarbeiten durchgeführt haben - so ließen sich die Torfspuren erklären.

Zudem stellte die Expertin bei einer forensischen Pollenanalyse an Peggys sterblichen Überresten Mikropartikel fest. Diese passen den Ermittlern zufolge zu Farbspuren, die an Renovierungsmüll des 41-Jährigen gefunden worden waren - S. war im Frühsommer 2001 mit umfangreichen Renovierungsarbeiten beschäftigt.

Im Video: Neue Wendung im Fall Peggy

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Hinzu kommt, dass ein angebliches Alibi des Mannes inzwischen geplatzt scheint: Entgegen seinen bisherigen Angaben war S. laut Ermittlern am Tattag in Lichtenberg unterwegs. Das belegen Videoaufzeichnungen aus einer Bankfiliale, in der er sich nachweislich um 15.17 Uhr aufhielt. Auch das damalige Auto des Mannes, das lange nicht auffindbar war, haben Ermittler entdeckt und kriminaltechnisch untersucht.

Aufgrund dieser neuen Erkenntnisse hatten Beamte in der vergangenen Woche die Anwesen des Verdächtigen S. in Marktleuthen im Landkreis Wunsiedel sowie in Lichtenberg durchsucht .

Steht Manuel S. vielleicht schon bald als mutmaßlicher Mörder vor Gericht? Das ist unklar, S. sitzt wegen der Vorwürfe bislang nicht einmal im Gefängnis. "Haft setzt einen dringenden Tatverdacht voraus", sagte Staatsanwalt Daniel Götz, "den sehen wir im Moment nicht."

Soko-Chef Ebner und Staatsanwalt Götz

Soko-Chef Ebner und Staatsanwalt Götz

Foto: Daniel Karmann/ dpa

Ob sich daran etwas ändert, hängt wohl davon ab, ob nach dem jüngsten Zeugenaufruf neue Hinweise bei der Polizei eingehen. Die Ermittler wollen wissen, wer das fragliche Auto am 7. Mai 2001 sah, wer S. jemals zusammen mit Peggy erblickte oder in seinem goldfarbenen Wagen andere Personen wahrnahm. Wie sehr die Ermittler auf Tipps und Augenzeugenberichte angewiesen sind, machte Staatsanwalt Götz deutlich: Noch immer sei eine Belohnung von 30.000 Euro ausgelobt, sagte er.

Die Hoffnung auf ein Ende der jahrelangen Ungewissheit ist trotzdem groß - auch in Lichtenberg, dem damaligen Wohnort von Peggy und ihrer Familie. Im vergangenen Jahr hatten sich Bürger und Lokalpolitiker an die Öffentlichkeit gewandt und den Behörden Schlamperei vorgeworfen, auch von einem "Polizei- und Justizskandal" war die Rede.

Nun zeigte sich Lichtenbergs Bürgermeister Knüppel erleichtert: "Ich bin froh, dass die Ermittlungen nun zu einem weiteren konkreten Ergebnis geführt haben", teilte er mit. "Nun sieht es tatsächlich so aus, als ob der Fall endgültig gelöst werden kann. Das hoffe ich zumindest sehr!" Mit dieser Hoffnung dürfte er nicht allein sein.

mxw/AFP/dpa