Phil Spector vor Gericht: "Sie küsste die Waffe" - DER SPIEGEL
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Phil Spector vor Gericht "Sie küsste die Waffe"

Er ist einer der bekanntesten Produzenten der Musikbranche überhaupt: Phil Spector mischte bereits Platten von den Beatles und Tina Turner. Jetzt hat in Los Angeles ein spektakulärer Mordprozess gegen Spector begonnen.
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Los Angeles - Das Verfahren begann gestern mit der Auswahl der Geschworenen. Richter Larry Fiedler wird die Jury nach Justizangaben unter 300 Bewerbern auswählen. Dies könnte sich über mehrere Tage hinziehen. Das eigentliche Verfahren beginnt vermutlich Ende April, es soll den Angaben zufolge bis zu drei Monate dauern.

Gestern traten die ersten Jury-Kandidaten an, um einen Fragebogen auszufüllen. Darin mussten sie unter anderem Angaben zu ihrem Wissen über den Fall machen, der schon jetzt als der spektakulärste seit dem Mordprozess gegen den Footballstar O.J. Simpson gilt.

Der heute 66-jährige Musikproduzent steht im Verdacht, im Februar 2003 die 40-jährige Schauspielerin Lana Clarkson auf seinem Grundstück bei Los Angeles getötet zu haben. Vernehmungsprotokollen zufolge hatte Spector die Frau am 3. Februar abends in einem Nachtclub in Hollywood kennengelernt, wo sie als Hostess arbeitete. Stunden vor ihrem Tod fuhren beide zu seinem Haus im Vorort Alhambra.

Als Spectors Fahrer einen Schuss hörte, alarmierte er die Polizei, die die Frau in einer Blutlache liegend fand. Der Fahrer sagte später aus, Spector habe einen Revolver in der Hand gehalten und gesagt: "Ich glaube, ich habe jemanden getötet." Auch der Polizei gegenüber soll er die Schüsse auf die Frau zunächst eingestanden haben.

"Er wird für gute Unterhaltung sorgen"

Allerdings betonte der bekannte Waffennarr und Trinker später wiederholt seine Unschuld. Er gab an, die Frau habe Selbstmord begangen. "Sie küsste die Waffe", berichtete er 2003 dem US-Magazin "Esquire". Er beteuerte, er habe Clarkson nie zuvor gesehen. Wenige Wochen vor Clarksons Tod hatte er sich selbst allerdings gegenüber der britischen Zeitung "Daily Telegraph" als "ziemlich wahnsinnig" beschrieben und von seinem "teuflischen Innenleben" berichtet. "Mein schlimmster Feind bin ich", sagte Spector. Er befindet sich gegen Kaution in Höhe von einer Million Dollar auf freiem Fuß.

An seiner Seite hat er Promi-Anwalt Bruce Cutler, der vor allem für seine spektakuläre Verteidigung bekannter Mafia-Vertreter wie New Yorks Paten John Gotti bekannt ist. Da während des Verfahrens Kameras im Gerichtssaal zugelassen sind, rechnen Experten damit, dass Cutler aus seinen Auftritten regelrechte Showeinlagen machen wird. "Er ist echter Schauspieler und Verkäufer", sagte der ehemalige Staatsanwalt Jean Rosenbluth. "Er wird für gute Unterhaltung sorgen".

Spector hatte unter anderem die ersten Solo-Alben der Ex-Beatles John Lennon ("Imagine") und George Harrison ("All Things Must Pass") sowie die legendäre Beatles-LP "Let it be" produziert. Auch mit Elvis Presley, Ike und Tina Turner, den Ramones sowie den Ronettes arbeitete er zusammen. Legendär ist vor allem seine als "Wall of Sound" bekannt gewordene Aufnahmetechnik. Seit 25 Jahren tritt er allerdings eher als exzentrischer Einsiedler in Erscheinung denn als Musikproduzent.

dab/AFP