Pistorius-Prozess: Sozialarbeiterin sagt aus - DER SPIEGEL
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Mordprozess: Neue Zeugen, verzweifelter Pistorius

Foto: POOL/ REUTERS

Zeugin im Pistorius-Prozess "Ich sah einen gebrochenen Mann"

"Tieftraurig" habe Sozialarbeiterin Yvette van Schalkwyk Oscar Pistorius am Tag nach dem Tod seiner Freundin erlebt. Sie könne sich nicht vorstellen, dass der Paralympics-Star das alles vorgespielt hat, sagte sie im Mordprozess aus.
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Pretoria - Eine Sozialarbeiterin, die Pistorius am Tag nach der Tat in der Polizeizelle gesehen hat, hat sich überraschend selbst als Zeugin gemeldet. Ihrer Aussage zufolge soll der südafrikanische Sprinter zu diesem Zeitpunkt völlig verzweifelt gewesen sein.

Pistorius soll in der Nacht zum Valentinstag 2013 seine Freundin Reeva Steenkamp durch eine verschlossene Toilettentür erschossen haben. Er beteuert, er habe aus Panik gehandelt, weil er hinter der Tür einen Einbrecher vermutete.

Sozialarbeiterin Yvette van Schalkwyk sagte vor Gericht: "Ich sah einen gebrochenen Mann, der emotional litt." Als die Sozialarbeiterin ihn traf, sei der Profisportler "tieftraurig" gewesen und habe einen ernsthaften Eindruck gemacht. "Er sprach mit mir über seine Pläne mit Reeva und über ihre Eltern und die Leiden für die Familie", schilderte sie weiter. Die Sozialarbeiterin könne sich nicht vorstellen, dass Pistorius alles vorgespielt habe.

Als weitere Zeugin trat die Anästhesistin Professor Christina Lundgren auf. Sie wurde von der Verteidigung in den Zeugenstand gerufen. Mit ihrem Fachwissen sollte sie Vorwürfe der Anklage widerlegen. Die hatte zuvor an Pistorius' Darstellung der zeitlichen Abläufe in der Tatnacht gezweifelt.

Die Zweifel beruhen auf einem Obduktionsbericht, demzufolge Steenkamp noch Essen im Magen hatte, als sie getötet wurde. Pistorius hatte aber zuvor ausgesagt, dass das Paar etwa acht Stunden vor Steenkamps Tod zuletzt gegessen habe. Ein Pathologe hatte zu Protokoll gegeben, dass der Magen üblicherweise sechs Stunden nach der letzten Mahlzeit leer sei. Steenkamp müsse viel später gegessen haben.

Lundgren wiederum erklärte, dass viele Faktoren den Verdauungsprozess verzögert haben könnten - etwa, dass Steenkamp kurz vor ihrem Tod geschlafen habe.

tam/dpa/AP