"Prinz von Marbella" Fahnder nehmen mutmaßlichen Waffenhändler fest
Madrid - Die spanische Polizei hat den mutmaßlichen syrischen Waffenhändler Monzer al-Kassar heute am Madrider Flughafen festgenommen. Dem 61-Jährigen werde unter anderem zur Last gelegt, in Pläne zur Ermordung von US-Bürgern und Militärs verwickelt zu sein, teilten das spanische Innenministerium mit. Er soll Terroristen, etwa im Irak, mit Waffen und Luftabwehrraketen versorgt haben sowie Gelder aus dem internationalen Waffenschmuggel gewaschen haben. Gegen ihn liege ein internationaler Haftbefehl aus den USA wegen Unterstützung terroristischer Vereinigungen vor, hieß es weiter.
Al-Kassar lebt seit 1980 mit Unterbrechungen im südspanischen Nobelbadeort Marbella. Die Justiz ordnete die Durchsuchung seiner luxuriösen Villa an. Der US-Botschafter in Spanien, Eduardo Aguirre, bezeichnete die Festnahme als "phantastische Nachricht". Seinen Angaben zufolge ist al-Kassar seit den siebziger Jahren als Waffenhändler in einigen der blutigsten Konflikte der Welt aktiv. Er habe die PLO ebenso mit Waffen beliefert wie andere Gruppierungen in Nicaragua, Zypern, Bosnien, Kroatien, Iran, Irak und Somalia.
Der Beschuldigte selbst weist stets alle Vorwürfe von sich. Nachweisen konnte ihm bislang niemand etwas. Gerne betont er: "Ich habe keine Vorstrafen." Der "Guardian" schrieb im vorigen Jahr: "Das ist etwas, das er sehr gern wiederholt." Auch dass er die Aufständischen im Irak mit Waffen beliefere, ist ihm schon vorgeworfen worden. Das sei Unsinn, sagte al-Kassar dem "Guardian" bei einem Interview in seiner Villa in Marbella. "Wenn das stimmen würde, dann hätten Sie mich hier nicht angetroffen."
Im Jahr 1985 war Syrer im Zusammenhang mit der Entführung des italienischen Kreuzfahrtschiffs "Achille Lauro" angeklagt, wurde in einem Prozess in Spanien mangels Beweisen aber freigesprochen. Auf dem Schiff war eine US-Geisel erschossen worden. Al-Kassar saß damals in Spanien 14 Monate in Untersuchungshaft. Seit damals trägt er den Beinamen "Prinz von Marbella" - wohl auch deswegen, weil er die Kaution von umgerechnet mehr als sechs Millionen Euro erstaunlich schnell zur Hand hatte.
Mit dem Lockerbie-Attentat, bei dem 1988 eine Pan-Am-Maschine über der schottischen Ortschaft abstürzte und 270 Menschen ums Leben kamen, sowie einem Anschlag auf die israelische Botschaft in Buenos Aires mit 29 Toten im Jahre 1992 ist der Syrer in der Presse ebenfalls in Verbindung gebracht worden. Al-Kassar bestreitet auch diese Vorwürfe. Spanien hatte ihn 1987 ausgewiesen, drei Jahre später durfte er jedoch wieder mit einem argentinischen Pass einreisen, den er sich durch seine Beziehungen zu dem damaligen Präsidenten Carlos Menem erschlichen haben soll.
ffr/dpa/AP