Probleme mit der Spritze Missouri setzt Todesstrafe aus
St. Louis - Bei Hinrichtungen per Todesspritze habe es in der Vergangenheit "zahlreiche Probleme" gegeben, stellte das Bundesgericht in Kansas City fest. "Das Gericht ist höchst beunruhigt darüber, dass ein Arzt, der einzig und allein dafür zuständig ist, das Leben eines Verurteilten mit der korrekten Dosis Gift human zu beenden, Schwierigkeiten mit Zahlen hat", heißt es in einem 16-seitigen Bericht, in dem der US-Bundesrichter Fernando Gaitan die einstweilige Unterbrechung der Hinrichtungen begründet.
Der zuständige Arzt, dessen Identität streng geheim gehalten wird, soll in der Vergangenheit mehrfach eine zu geringe Menge des Narkosemittels Thiopental verabreicht und dem Todeskandidaten so unnötig große Schmerzen zugefügt haben.
Der Staat Missouri setzt Thiopental ein, um Bewusstlosigkeit und Herzstillstand bei den Häftlingen auszulösen. Erst danach folgt der tödliche Mix aus zwei weiteren Substanzen. Ist die erste Spritze zu gering dosiert, löst die zweite große Qualen aus. Der Anästhesist in Missouri soll mehrfach Fehler bei der Vorbereitung der Narkosespritze gemacht haben. Der Arzt leidet unter einer so genannten Dyslexie, die ihm das Lesen und Verstehen von Texten und Zahlen erschwert.
Das Gericht forderte die Behörden auf, genau schriftlich festzulegen, welche Dosis des Narkosemittels den Todeskandidaten gespritzt werden soll. Darüber hinaus sei es dringend notwendig, dass der Arzt bei den Hinrichtungen persönlich die Spritzen setze oder die Injektionen zumindest persönlich überwache. Auch dies sei in der Vergangenheit nicht immer der Fall gewesen.
Bundesrichter Gaitan setzte den Verantwortlichen in Missouri eine Frist bis 15. Juli, um verbindliche Regelungen und Abläufe festzulegen. Erst nachdem er diese genehmigt habe, dürften wieder Exekutionen vorgenommen werden.
fls/AP