Protest gegen Todesstrafe: Texas will geistig Behinderten hinrichten - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Protest gegen Todesstrafe Texas will geistig Behinderten hinrichten

In Amerika ist die Hinrichtung geistig behinderter Menschen verboten - aber wer zu der Gruppe gehört, entscheiden die Bundesstaaten. In Texas soll nun ein Mann getötet werden, der einen IQ von 61 hat. Menschenrechtler sind entsetzt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Menschenrechtler in den USA haben gegen die geplante Hinrichtung eines geistig zurückgebliebenen Mannes in Texas protestiert. Der wegen Mordes Verurteilte Marvin Wilson solle am 7. August durch eine tödliche Injektion sterben, obwohl er mit einem Intelligenzquotienten (IQ) von 61 eindeutig als minderbemittelt gelte, teilte die Organisation Amnesty International  mit. Ein Grundsatzurteil des Obersten Gerichtshofes in Washington, nach dem Menschen mit extrem niedrigem IQ nicht hingerichtet werden dürfen, müsse auch für den 54-Jährigen gelten.

2002 hat der Oberste Gerichtshof der USA entschieden, dass geistig Behinderte nicht zum Tode verurteilt werden dürfen. Allerdings überließ das Gericht die Definition von geistiger Behinderung den Bundesstaaten.

Bereits in der vergangenen Woche hatte ein ähnlicher Fall in Georgia für Empörung gesorgt: Der verurteilte Mörder Warren Hill sollte durch eine tödliche Spritze sterben, obwohl er laut mehreren Gutachten einen IQ von lediglich knapp 70 besitzt. Die Exekution war kurzfristig vom obersten Gericht des Staates gestoppt worden. Die Anwälte des 52-Jährigen hatten Einspruch gegen die Injektion nur eines einzigen Giftes erhoben. Die Gefängnisbehörden hatten erst kürzlich entschieden, dass bei Hinrichtungen nicht mehr eine Mischung aus drei Giftstoffen verwendet werden muss.

Zwei Hinrichtungen in Japan

Neben den USA gehört auch Japan zu den wenigen Demokratien, die noch die Todesstrafe verhängen. In der Hauptstadt Tokio und in Osaka starben am Freitag zwei verurteilte Mörder. Die 31 und 40 Jahre alten Männer wurden gehängt. "Wir müssen vernünftige Entscheidungen treffen. Aber wenn wir zu dem Entschluss kommen, dass ein bestimmter Fall eine Hinrichtung zwangsläufig erfordert, dann sollten wir unserer Ansicht nach nicht zögern", zitierte die Nachrichtenagentur Kyodo Justizminister Makoto Taki.

Amnesty International Japan kritisierte die Regierung in Tokio für ihr "rigides Festhalten an Exekutionen" und forderte eine Änderung der Landesgesetze. Die Todesstrafe widerspreche internationalen Normen zum Schutz der Menschenrechte.

aar/dpa