Prozess gegen Ex-Mafiaboss Staatsanwalt erhebt schwere Vorwürfe gegen Bulger
James "Whitey" Bulger (links) und sein Anwalt J.W. Carney vor Gericht: "Er hat die Schmutzarbeit selbst erledigt"
Foto: AP/ Margaret SmallNew York - Mit eigenen Händen soll James Bulger, genannt "Whitey", seine Rivalen erdrosselt und erschossen, Menschen erpresst und im großen Stil mit Drogen gehandelt haben: Im Prozess gegen den Ex-Mafiaboss hat die Anklage in ihrem Eröffnungsplädoyer schwere Vorwürfe erhoben.
Staatsanwalt Brian Kelly bezeichnete Bulger als Kopf einer "Gruppe von Kriminellen, die in der Stadt Boston 30 Jahre lang Amok gelaufen ist". Dies sei ein Fall über das organisierte Verbrechen, öffentliche Korruption und allerhand illegale Aktivitäten, sagte Kelly. "Und im Zentrum von Mord und Chaos steht ein Mann - der Angeklagte James Bulger."
Bulger habe die Schmutzarbeit stets selbst erledigt, sagte Kelly. Der Ex-Mafiaboss soll unter anderem für 19 Morde in den siebziger und achtziger Jahren verantwortlich sein. Insgesamt muss er sich in 32 Anklagepunkten verantworten.
Nach 16 Jahren auf der Flucht war Bulger im Juni 2011 in Kalifornien festgenommen worden. Dort lebte er unter falschem Namen mit seiner langjährigen Lebensgefährtin. Die Polizei beschlagnahmte in der Wohnung etwa 800.000 Dollar in bar und ein Arsenal an Waffen. Die Lebensgefährtin wurde 2012 zu acht Jahren Haft verurteilt, weil sie Bulgers Flucht gedeckt hatte.
Ehemaliger Gangsterboss: Die Karriere des James "Whitey" Bulger
In dem Prozess sollen in den kommenden Wochen etwa 80 Zeugen befragt und rund tausend Beweisstücke präsentiert werden. Ein zentrales Thema wird die Beziehung des Gangsterbosses zur Bundespolizei FBI und zum Justizministerium sein: Das FBI hatte eingeräumt, Bulger sei zwischen 1975 und 1990 als Informant der Ermittlungsbehörden tätig gewesen. Staatsanwalt Kelly sagte, mit der Zusammenarbeit habe er seine verbrecherischen Geschäfte schützen wollen.
Die Verteidigung bestritt in ihrem Eröffnungsplädoyer dagegen, dass Bulger FBI-Informant gewesen sei. Außerdem versuchte Anwalt J.W. Carney, vor den Geschworenen Zweifel an der Glaubwürdigkeit einiger Belastungszeugen zu wecken. Die Auswahl der Jury war am vergangenen Dienstag abgeschlossen worden. Ein Urteil wird für September erwartet.