Prozess in Stuttgart: Finale eines brutalen Mordes - DER SPIEGEL
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Prozess in Stuttgart Finale eines brutalen Mordes

Sommer 2007: Vier junge Leute dreschen mit Baseballschlägern auf den 19-jährigen Yvan Schneider ein, treten ihn tot. Sie sitzen seither in Haft. Jetzt wurde die Frau verurteilt, in deren Badezimmer die Täter das Opfer zerstückelten und die Leichenteile in Blumenkübel einzementierten.
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Hamburg - Der Mord an Yvan Schneider gehört zu den brutalsten Verbrechen, die je vor einem deutschen Jugendgericht verhandelt wurden: Seine Mörder, Deniz E. und Roman K., 19 und 18 Jahre alt, sitzen in Haft. Ebenso ihre beiden Helfer, eine 16-Jährige und der 23-jährige Kai M.

Am Donnerstag wurde Kais Freundin Leila K. zu einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung wegen Beihilfe zur versuchten Strafvereitlung verurteilt - in ihrer Wohnung war Yvans zerhackte Leiche in Blumenkübel einbetoniert worden. Zusätzlich muss sie 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und die Prozesskosten tragen.

Die 24-Jährige verweigerte in der vierstündigen Verhandlung die Aussage, hatte aber gegenüber dem psychiatrischen Sachverständigen ein Teilgeständnis abgelegt. "Wir sind davon überzeugt, dass sie ihre Wohnung zur Verfügung gestellt hat, um die Leiche zu verstecken, bis sie zerteilt und einbetoniert ist", sagte der Vorsitzende Richter Volker Peterke SPIEGEL ONLINE.

Nach Ansicht des Gerichts wurde die gelernte Küchenhilfe von ihrem Freund darüber informiert, dass Yvan Schneider getötet worden war, und man seinen Leichnam verschwinden lassen musste. "Es gibt zwar keine Anhaltspunkte dafür, dass sie geholfen oder Teile des Leichnams berührt hat", so Peterke. Aber "teilweise anwesend" war sie durchaus, als ihr Freund und seine Kumpel mit den menschlichen Überresten hantierten.

Trotzdem wurde Leila K. nicht zur Höchststrafe von zwei Jahren verurteilt, "weil sie die Tat letztendlich aufklärte", sagte Richter Peterke. Nach anfänglichem Leugnen hatte die 24-Jährige schließlich die Namen der Täter genannt und zugegeben, dass das Einzementieren in ihrer Wohnung nur das brutale Finale eines grausamen Mordes war.

Immer wieder traten sie auf Yvans Kopf - bis er tot war

Am 21. August 2007 lockte Sessen K. den 19 Jahre alten Yvan Schneider nach dessen Handballtraining auf eine Wiese bei Kernen-Rommelshausen, einer kleinen Ortschaft im Hinterland von Stuttgart. Dort gingen Deniz E., Sohn türkisch-kroatischer Eltern, und sein Kumpel Roman K. auf den 1,85 Meter großen Gymnasiasten los, droschen mit einem Baseballschläger auf ihn ein, bis er zu Boden ging, und traten ihn tot.

Immer wieder war Deniz E. mit beiden Füßen auf Yvans Kopf gesprungen, dazwischen versicherte er dem 16 Jahre alten Mädchen, wie sehr er sie liebe und dass er das nur für sie tue. Er soll geradezu besessen gewesen sein von dem jungen Mädchen.

Mit seiner wahnhaften Eifersucht hatte er sie gezwungen, ihm Namen von Männern zu nennen, mit denen sie vor ihm Kontakt gehabt hatte. Yvan habe sie gegen ihren Willen entjungfert, schwindelte die 16-Jährige ihren aggressiven Freund an - es ist das Todesurteil für den jungen Franzosen, der mit seinen Eltern 1990 aus dem Elsass ins Schwäbische zog.

In Wahrheit war der beliebte Gymnasiast der drei Jahre Jüngeren nie zu nahe gekommen. Sie kannte nicht einmal seine Telefonnummer. Yvan hatte sich nur deshalb mit ihr an jenem Abend verabredet, weil sie ihn um Hilfe für einen in Not geratenen Freund gebeten hatte.

Sie zerstückelten die Leiche nach Mafiafilm-Manier

Nach der tödlichen Gewaltorgie hievten Deniz E. und Roman K. den Leichnam Yvans in Deniz' Mercedes CLK und brachten ihn in eine Lagerhalle in Bad Cannstatt. Ein weiterer Freund, Kai M., riet ihnen, den toten Körper zu zerstückeln und einzuzementieren - wie er es in einem Mafiafilm gesehen habe.

Am 23. August zerhackten die vier jungen Leute Yvans Leiche mit einem Beil in 14 Teile, packten sie in zwei Reisetaschen und brachten sie auf Kai M.s Initiative zu dessen Freundin Leila K. In deren Wohnung, im Souterrain eines unauffälligen Mehrfamilienhauses in Gablenberg, im Osten Stuttgarts, betonierten sie die Leichenteile ein.

Am 27. August beschwerten sich Anwohner über den starken Verwesungsgeruch, der aus dem Keller drang. Der Hausmeister weigerte sich, alleine nachzusehen. Ihm war schon einige Meter vor der Wohnungstür von dem Gestank übel geworden, er alarmierte die Polizei.

In der Badewanne fanden die Beamten den unteren Teil einer Altpapiertonne. Überall in der Souterrain-Wohnung lagen Zement und blutverschmierte Lappen verstreut. Im Wohnzimmer lag ein blutgetränktes Beil.

Die "Soko Zement" arbeitete in Windeseile, nur wenige Tage später nahmen sie die beiden Haupttäter, das 16-jährige Mädchen und ihren Helfer Kai M. fest. Die Ermittlungen ergaben, dass die jungen Männer in Leila K.s Wohnung 13 Leichenteile in fünf Blumenkübel einbetonierten und anschließend bei Plochingen im Neckar versenkten. In die halbierte Altpapiertonne hatten sie den Torso ihres Opfers einzementiert, doch weil sie für den Transport dann zu schwer wurde, mussten sie ihn mit einer Flex-Säge wieder herausschneiden und vergruben ihn unter Laub in einem Waldstück.

Die "Monster" berichteten "wie von einem Schulausflug"

Die Jugendkammer des Stuttgarter Landgerichts verurteilte Deniz E. im März dieses Jahres zur Höchststrafe von zehn Jahren Haft plus Unterbringung in der Psychiatrie. Seinen Kumpel Roman K. zu zehn, seine Freundin Sessen zu neun Jahren Gefängnis. Kai M. muss wegen Strafvereitlung drei Jahre und drei Monate sitzen.

Der damalige Vorsitzende der Kammer, Richter Jürgen Hettich, gab in der Urteilsbegründung seinem Entsetzen über die Tat Ausdruck. Er habe "Monster" auf der Anklagebank erwartet, sagte Hettich. Umso schlimmer sei seine Erkenntnis, dass es sich stattdessen um vier junge Menschen gehandelt habe, die "über das Geschehen berichteten, als wäre es ein Erlebnis auf einem Schulausflug".

Der Bundesgerichtshof hat vor wenigen Wochen die Revisionen, die Roman K. und die 16-Jährige eingelegt hatten, als unbegründet abgelehnt. Für Yvans Eltern, Fabienne und Pierre Schneider, ist das kaum ein Trost. Ihnen ist völlig unverständlich, dass drei der vier Täter als Jugendliche und Heranwachsende nach dem Jugendstrafrecht und nicht nach dem Erwachsenenstrafrecht verurteilt wurden.

Viele Freunde Yvans, Angehörige, Handballer des TV Stetten, Mitglieder des CVJM Fellbach, Schüler des Wagenburg-Gymnasiums Stuttgart und Bekannte haben sich zur Initiative "Yvan Schneider" zusammengeschlossen. Sie sammelten bisher fast 20.000 Unterschriften und fordern, Straftäter über 18 Jahren nach Erwachsenenstrafrecht zu verurteilen.

An Yvans erstem Todestag traf sich die Initiative in Rommelshausen. Sie gingen den Weg, den der Zwölftklässler am Tattag gegangen war: Bis zu der Streuobstwiese, auf der seit Yvans Tod mitten im Grün ein hölzernes Kreuz steht. Sie ließen schwarze und weiße Luftballons in den Himmel steigen, sie sollten Trauer und Hoffnung symbolisieren. An jedem hing ein Bild von Yvan, der am 14. Oktober 21 Jahre alt geworden wäre.