Prozess um totes Baby "Ich habe das Kind vom Balkon geworfen"
Hamburg - Die Frau sagte, sie sei bei der Geburt allein in der Wohnung gewesen. Sie habe das Baby zur Welt gebracht und die Nabelschnur durchtrennt. "Ich habe einen Schock gehabt und habe das Kind allein vom Balkon geworfen", sagte Monika K. heute vor dem Landgericht. Die Frau ist wegen Totschlags und falscher Verdächtigung ihres Freundes angeklagt, den sie zunächst der Tat beschuldigt hatte.
Über die Beziehung zu ihrem Lebensgefährten und Vater des Kindes machte die Frau vor Gericht teils andere Aussagen als bei den polizeilichen Vernehmungen. Vom Vorsitzenden Richter Claus Rabe auf die Widersprüche hingewiesen, entgegnete sie, dass sie "am heutigen Tage doch die Wahrheit sagen müsse". Nach jetziger Darstellung wollte ihr Partner das Kind nicht haben und es sogar umbringen.
Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die aus Polen stammende, katholisch erzogene Frau die Schwangerschaft verheimlichte, das Kind am 17. März in einer Hamburger Hochhauswohnung zur Welt brachte, in eine Plastiktüte legte und aus dem zehnten Stock warf. Dabei erlitt der Säugling tödliche Kopfverletzungen.
Ein Mann fand das tote Baby auf einer Grünfläche vor dem Hochhauskomplex im Stadtteil Osdorf. Zunächst war unklar, woher es stammte. Drei Tage später vertraute sich die Mutter des Kindes einer Freundin an, die sie überredete, zur Polizei zu gehen. Monika K. gab zu, die Mutter des Neugeborenen zu sein, bezichtigte aber ihren Lebensgefährten, es vom Balkon geworfen zu haben.
Der damals 23-Jährige war zunächst flüchtig, stellte sich jedoch der Polizei. Er kam nach seiner Aussage wieder frei. Die Mutter hingegen wurde auf Grund von Widersprüchen in den eigenen Aussagen, Zeugenangaben und Beweisen zur Tatverdächtigen. Sie hatte bisher kein Geständnis abgelegt.
Für den ersten Prozesstag sollten laut Gericht neben der Verlesung der Anklageschrift und Angaben der Beschuldigten auch erste Zeugen befragt werden, unter ihnen der ehemalige Lebensgefährte und der Passant, der die Leiche gefunden hatte. Der Angeklagten drohen bis zu 15 Jahre Haft.
ffr/AP/ddp/dpa