Prozess: Vater schlägt mit Hammer auf Kinder ein - DER SPIEGEL
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Prozess Vater schlägt mit Hammer auf Kinder ein

Im nordhessischen Twistetal hat ein Mann seine drei Kinder mit einem Hammer fast getötet. Wie durch ein Wunder überlebten der Junge und die beiden Mädchen. "Die Kinder waren mein Leben", sagt der 40-Jährige nun beim Prozessauftakt vor dem Kasseler Landgericht.
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Kassel - Für Notärztin Mechthild Diels war es der schlimmste Einsatz ihres Lebens. Im April wurde ihr Rettungshubschrauber ins nordhessische Twistetal-Berndorf gerufen. Dort hatte ein Mann seine drei kleinen Kinder mit einem Zimmermannshammer fast totgeschlagen.

Als der Dreijährige und seine fünf und sieben Jahre alten Schwestern auf dem Sofa schliefen, schlich sich ihr Vater in den Raum und schlug immer wieder auf die Köpfe der Kinder ein. Einen Tag später stellte er sich der Polizei.

Seit Mittwoch muss sich der 40-Jährige vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten heimtückischen Mord aus niederen Beweggründen vor. "Mit wuchtigen Hieben" habe der Mann zugeschlagen, heißt es in der Anklageschrift.

Er habe immer wieder an Selbstmord gedacht, las der Anwalt aus einer Erklärung seines Mandanten vor. "Da ich aber nicht wollte, dass die Kinder ohne ihren Vater aufwachsen, hatte ich mich dazu entschlossen, sie mit in den Tod zu nehmen." Sein Plan war, mit einem Mietwagen gegen einen Pfeiler zu rasen. "Doch die Wahrscheinlichkeit, dass auch meine Kinder sterben, war viel zu gering."

Die Vorstellung, dass sie ihr Leben lang unter den Folgen leiden würden, habe er nicht ertragen. "Deshalb verfiel ich auf die Idee mit dem Hammer", sagte der Mann.

Nach der Tat raste er über die Autobahn. Der Mut zum Selbstmord fehlte ihm jedoch. Deshalb fuhr er die gut 300 Kilometer zurück nach Kassel und stellte sich.

Es grenzte an ein Wunder, dass Kim-Katharina, Anna-Lena und Jonas trotz zertrümmerter Schädel stundenlang überlebten, bis die Helfer kamen. Mehrere Tage schwebten sie anschließend in Lebensgefahr, waren anfangs teilweise gelähmt.

Vorausgegangen war eine Geschichte, die sich jährlich tausendfach abspielt: Ein Paar trennt sich, die Kinder leben bei der Mutter. Der Vater darf sie zwar sehen, leidet aber unter der Trennung. Dann ist auch der Job weg und er beginnt zu trinken. "Ich habe sie immer geliebt, war auch mal streng, aber nur mit Worten. Aber die Trennung hat mich völlig zermürbt", sagte der Vater.

"Ich habe Alpträume und sehe nachts meine Kinder blutüberströmt", ließ er am Mittwoch erklären. "Ich kann nur hoffen, dass mir meine Kinder einmal verzeihen werden." Ihnen musste von Psychologen klargemacht werden, dass es ihr Vater war, der ihnen das alles angetan hat.

Das Verfahren vor der 6. Großen Strafkammer soll am Donnerstag mit der Aussage der Mutter fortgesetzt werden. Die Frau vertritt ihre drei Kinder, die zwar als Nebenkläger auftreten, aber nicht vor Gericht erscheinen werden. Ihr Anwalt will lebenslange Haft für den 40-Jährigen fordern.

Das Gericht könnte auch eine besondere Schwere der Schuld feststellen. Das würde die Höchststrafe bedeuten: lebenslänglich, ohne Hoffnung auf vorzeitige Entlassung nach 15 Jahren. Ein Urteil wird Mitte November erwartet.

cat/dpa/ddp