Prozess vertagt: Marco W. bleibt in Haft - DER SPIEGEL
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Prozess vertagt Marco W. bleibt in Haft

Schwere Vorwürfe im Missbrauchsfall von Antalya: Das mutmaßliche Opfer von Marco W. hat einem Zeitungsbericht zufolge ausgesagt, dass es vergewaltigt wurde und eine harte Strafe für den Täter fordere. Nachdem der Prozess heute erneut vertagt wurde, bleibt Marco in Haft.
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Hamburg - "Ich ziehe meine Anzeige nicht zurück. Er hat mich gegen meinen Willen vergewaltigt. Ich will, dass er hart bestraft wird", zitiert die "Bild"-Zeitung aus der Aussage der 13-jährigen Britin Charlotte vor britischen Ermittlern.

Das Mädchen hatte sich in ihrer Heimatstadt Manchester zum Tathergang geäußert, nachdem das türkische Gericht die Aussage angefordert hatte. Charlotte hatte es abgelehnt in der Türkei vor Gericht zu erscheinen. Sie soll sich in psychologischer Behandlung befinden.

Da Charlottes Aussagen dem Gericht noch nicht offiziell vorliegen, wollten die Richter abwarten, bis diese auf dem Dienstwege in Antalya eintreffen, erklärten Marcos Anwälte. Sie beantragten erneut die Entlassung ihres Mandanten aus der Untersuchungshaft. Das Gericht ließ sich darauf nicht ein mit der Begründung, man befürchte, dass Marco dann das Land verlasse.

Marcos türkischer Anwalt Mehmet Iplikcioglu erklärte heute, er werde Einspruch gegen die Verlängerung der Untersuchungshaft einlegen. Er werde sich am kommenden Montag an ein zuständiges Gericht wenden, so Iplikcioglu

Charlottes Anwalt Ömer Aycan sagte laut "Bild", er werde für Marco die Höchststrafe von 15 Jahren Haft fordern. Marcos deutsche Anwälte Matthias Waldraff und Michael Nagel reagierte gestern gelassen auf die Nachricht: "Ich hatte eigentlich nie etwas anderes erwartet. Da steht ganz klar die Mutter im Hintergrund", sagte Nagel. Auch habe Charlotte vor ihrer Abreise bei der türkischen Staatsanwaltschaft eine Aussage gemacht, die nichts Belastendes enthielt.

Der Prozess gegen den Schüler aus dem niedersächsischen Uelzen wurde heute erneut vertagt, teilten die Anwälte mit. Das Gericht in Antalya wolle die Verhandlung erst am 26. Oktober fortsetzen.

Seit über fünf Monaten sitzt Marco in türkischer Untersuchungshaft. Während eines Osterurlaubs im türkischen Badeort Side hatten sich Marco und Charlotte kennengelernt. Nach einem Abend in der Disco waren die Teenager zusammen in das Hotelzimmer der 13-Jährigen gegangen. Aussagen von Marco zufolge war die Initiative zu den darauf folgenden Zärtlichkeiten von dem Mädchen ausgegangen, das sich ihm gegenüber als 15-Jährige ausgegeben habe. Die Mutter des Mädchens war in derselben Nacht zur Polizei gegangen und hatte Marco angezeigt. Er wurde noch im Hotel festgenommen.

Mit der Aussage des mutmaßlichen Opfers sind die Chancen auf eine Entlassung Marcos aus der Untersuchungshaft gesunken. Die Eltern beklagen die Zustände in dem Gefängnis. Zudem soll der 17-Jährige psychisch angegriffen sein und unter einer Neurodermitis leiden.

ala/dpa/DDP