Reyhaneh Jabbari: Onkel kämpft für Andenken an hingerichtete Iranerin - DER SPIEGEL
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Onkel von hingerichteter Reyhaneh Jabbari "Für mich lebt sie noch"

Die Hinrichtung der Iranerin Reyhaneh Jabbari löste international Entsetzen aus. In Berlin kämpft ihr Onkel nun mit einem Verein um ihr Andenken - und berichtet von den letzten Stunden seiner Nichte.
Von Jonas-Erik Schmidt
Fariborz Jabbari, Onkel der getöteten Iranerin: "Ich bin ihr sehr dankbar"
Fariborz Jabbari, Onkel der getöteten Iranerin: "Ich bin ihr sehr dankbar"

Fariborz Jabbari, Onkel der getöteten Iranerin: "Ich bin ihr sehr dankbar"

Foto: SPIEGEL ONLINE
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Immer wieder rückt Fariborz Jabbari den Zettel und den Stift auf dem Tisch mit etwas zitternder Hand zurecht. Er hat sich Notizen gemacht, kein Detail soll vergessen werden. Auch ein Taschentuch liegt bereit. Seine Nichte Reyhaneh Jabbari ist nun seit vier Tagen tot. Hingerichtet im Iran, verurteilt wegen Mordes. Für ihren Onkel ist die Geschichte von Reyhaneh Jabbari damit allerdings noch nicht zu Ende. "Für mich lebt sie noch", sagt er.

Fariborz Jabbari, 57 Jahre alt, geboren in Iran und heute Taxifahrer in Berlin, lebt nach eigenen Angaben seit 35 Jahren in Deutschland im Exil. Ein Prominenter ist er nicht, dennoch sind viele zu seiner Pressekonferenz gekommen. In dem überschaubaren Raum des "Vereins iranischer Flüchtlinge in Berlin" sitzen die Menschen dicht beieinander. Fast eine Dreiviertelstunde spricht Fariborz Jabbari. Über den Tod seiner Nichte, aber auch darüber, was sie damit aus seiner Sicht bewirkt habe: Dass die Willkür der iranischen Justiz für alle offengelegt worden sei - auch wenn es sie das Leben gekostet habe. "Ich bin ihr sehr dankbar dafür, dass sie standgehalten hat."

Die 26 Jahre alte Reyhaneh Jabbari war am Samstag in einem iranischen Gefängnis erhängt worden. In Iran wurde sie wegen Mordes an einem früheren Mitarbeiter des iranischen Geheimdiensts zum Tode verurteilt. Die damals 19-Jährige hatte stets beteuert, in Notwehr gehandelt zu haben. Der Familienvater habe sie vergewaltigen wollen.

Doch die Staatsanwaltschaft hatte in dem Verfahren argumentiert, Reyhaneh Jabbari habe keine geschäftlichen Gründe gehabt, in die Wohnung zu gehen - sondern private. Zudem seien in der Gerichtsmedizin keine Anzeichen für eine Vergewaltigung festgestellt worden. Ein konkretes Motiv für einen Mord wurde allerdings nicht überzeugend dargelegt.

"Ein Fall unter vielen"

Die Uno, die USA, die EU und Menschenrechtsorganisationen hatten Iran wiederholt aufgefordert, die Vollstreckung der Strafe auszusetzen. Es gebe Hinweise darauf, dass die junge Frau keinen fairen Prozess erhalten habe. Erst am Dienstag hatte der Sonderbeauftragte der Uno für Menschenrechte sich entsetzt über die Hinrichtung Jabbaris gezeigt. In einem Bericht kritisierte er zudem eine Zunahme von Exekutionen in dem Land, Folter in Gefängnissen und eine Verschlechterung der Situation von Frauen. Die Vorwürfe wurden von einer iranischen Gesandten als "Iranophobie" zurückgewiesen.

Auch beim "Verein iranischer Flüchtlinge in Berlin" glaubt man nicht an ein Einzelschicksal. "Reyhaneh Jabbari ist ein Fall unter vielen", sagt Geschäftsführer Hamid Nowzari. In Berlin hoffen sie jetzt, dass die internationale Aufmerksamkeit nach Jabbaris Tod anhält.

Fariborz Jabbari will, dass der Tod und die Geschichte seiner Nichte nicht vergessen werden. Deswegen kämpft er jetzt für ihr Erbe und erhebt weitere Vorwürfe gegen die iranische Justiz. Vor allem der Bericht über die letzten Stunden seiner Nichte machen ihm zu schaffen. Ihre Anwältin sei nicht zu Reyhaneh gelassen worden, obwohl das Gesetz es so vorsehe. Bis zuletzt habe der Geheimdienst mit allen Mitteln versucht, ihre Vergewaltigungsvorwürfe aus der Welt zu räumen. Selbst als sie in das Grab ihrer Urgroßmutter gelegt worden sei, hätten Mitarbeiter des Geheimdiensts die Beerdigung gestört.

Einen kleinen Sieg hat Fariborz Jabbari bereits erreicht. Frauenrechtlerinnen haben am kommenden Mittwoch einen "Tag gegen Vergewaltigung" ausgerufen. Es ist der 5. November, dann wäre Reyhaneh 27 Jahre alt geworden.