Rio de Janeiro Deutscher Tourist bei Überfall niedergeschossen
Rocinha in Rio: Das Armenviertel gilt als größte Favela der Welt
Foto: RICARDO MORAES/ REUTERSRio de Janeiro - Tragisches Ende eines Favela-Besuchs in Rio: Ein deutscher Tourist wurde in Rocinha, der größten Armensiedlung in der Stadt am Zuckerhut, angeschossen. Es soll sich um einen 25-jährigen Mann handeln. Er wurde am Freitag bereits in einem Krankenhaus operiert. Die genauen Hintergründe der Tat sind noch unklar.
Laut lokalen Medienberichten wollten der Mann und ein weiterer Deutscher nach einem Besuch der Christus-Statue die Favela Rocinha besichtigen. Die Armensiedlung ist inzwischen beliebtes Ziel geführter Touristentouren. Demnach waren sie auf eigene Faust unterwegs und trafen auf einer der zahlreichen Treppengassen auf einen bewaffneten Mann. Als sie flüchten wollten, eröffnete der Mann das Feuer. Der 25-Jährige wurde in den Bauch geschossen.
Die amtliche Nachrichtenagentur Agência Brasil berichtete unter Berufung auf die Gesundheitsbehörden, dass eine Kugel die Leber getroffen habe. Ein Anwohner fand den Deutschen in einer Gasse und brachte ihn zu einer Polizeiwache. Im städtischen Krankenhaus Miguel Couto im Stadtteil Gávea wurde er operiert.
Die im Süden Rios gelegene Siedlung Rocinha ist mit offiziell rund 70.000 Einwohnern die größte Favela der Stadt. Dort gibt es auch Pensionen, wo vor allem junge Rucksackreisende absteigen, um das Leben in der Gemeinschaft kennenzulernen.
Nicht sicher für Touristen
In der Favela wurde 2012 eine feste Wache der Friedenschaffenden Polizeieinheiten (UPP) installiert. Trotz der Polizeipräsenz sind auch heute noch Mitglieder von Drogengangs mit Waffen auf offener Straße zu sehen, wenn auch in wesentlich geringerem Umfang als vor der Besetzung. Die Tat ereignete sich anscheinend in einem Teil des Viertels, der als nicht sicher gilt und von Touristen gemieden wird.
Das Generalkonsulat in Rio bestätigte am Freitagabend lediglich, dass man von dem Fall wisse. Derartige Zwischenfälle werden von der Rechts- und Konsularabteilung betreut. Keine Angaben gab es bislang zur Herkunft des Deutschen.
Mit dem Konzept der festen Polizeiwachen versuchen die Sicherheitsbehörden vor der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 und den Olympischen Spielen 2016 die Sicherheit in der Sechs-Millionen-Stadt zu erhöhen. Auch Bundespräsident Joachim Gauck hatte bei seinem Brasilien-Besuch vor rund zwei Wochen eine befriedete Favela in Rio besucht.