Ausweitung des Sperrgebiets Saarbrücken sagt Straßenprostitution den Kampf an
Prostituierte in Saarbrücken: Sperrgebiet soll drastisch ausgeweitet werden
Foto: Oliver Dietze/ dpaSaarbrücken - Die Stadt Saarbrücken will die Straßenprostitution drastisch einschränken. Dazu soll der Sperrbezirk ausgeweitet werden: Von den 655 Kilometern Straßennetz sollen 652,2 Kilometer zur Verbotszone werden. "Ich glaube, das ist eine Möglichkeit, um die Prostitution einzudämmen", sagte Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD).
Ab April sollen Frauen nur noch an drei Punkten im Stadtgebiet und auch nur noch am Abend und in der Nacht Freier anwerben dürfen. "Die Ausnahmen sind auch künftig notwendig, da wir aufgrund der Gesetzeslage nicht das komplette Stadtgebiet zum Sperrbezirk ernennen können", sagte Britz. Zahlreiche Beschwerden von Bürgern hätten die jetzigen Verschärfungen ausgelöst.
Nach Schätzungen von Polizei und Hilfevereinen gibt es derzeit in der saarländischen Landeshauptstadt rund 800 bis 1000 Prostituierte, 150 bis 200 davon auf der Straße - oft zum Billigpreis von 20 bis 30 Euro für Geschlechtsverkehr. Viele dieser Prostituierten kommen aus Bulgarien und Rumänien.
Viele Freier aus Frankreich
Die Oberbürgermeisterin setzt darauf, dass die Sperrbezirksverordnung nach Genehmigung durch das Land im Frühjahr in Kraft treten kann. Dann dürften sich Prostituierte - mit Ausnahme rund um ein soziales Projekt für Drogenabhängige - nur noch zwischen 20 und 6 Uhr im Winter sowie zwischen 22 und 6 Uhr im Sommer an drei Stellen in der Stadt an die Straße stellen. Überwachen soll das die Polizei.
Oberbürgermeisterin Britz dringt darauf, dass die Bundesregierung schnell das Prostitutionsgesetz neu fasst. In einem Brief an Bundesjustizminister Heiko Maas und Frauenministerin Manuela Schwesig hatte sie Schritte auf Bundesebene zur Eindämmung der Prostitution und zum Schutz der Frauen gefordert.
In Deutschland ist Prostitution erlaubt, während sie in den angrenzenden EU-Ländern verboten oder stark reglementiert ist. Grenzstädte wie Saarbrücken sind daher besonders betroffen. Dorthin kommen viele Freier aus dem benachbarten Frankreich, wo Prostituierte keine Kunden anwerben dürfen.
Pläne, eine Erotiksteuer einzuführen, habe Saarbrücken nach den Erfahrungen anderer Städte hingegen zurückgestellt, teilte Dezernent Jürgen Wohlfahrt. So sei etwa in Trier und Köln nach der Einführung einer solchen Abgabe die Prostitution nicht erkennbar zurückgegangen.