Saarbrücken Syrer ersticht Mitarbeiter in Flüchtlingsberatungsstelle
Ein Syrer hat in Saarbrücken in einer Beratungsstelle für Flüchtlinge einen Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) erstochen. Der 27-Jährige sei mit dem Berater in Streit geraten und habe ihn dann mit einem Messer niedergestochen, teilte die Polizei mit. Der 30 Jahre alte Psychologe sei noch vor Ort an den Folgen seiner Verletzungen gestorben.
Der Auslöser des Streits war zunächst unklar. Den Angaben des Sprechers zufolge sei "Terror überhaupt nicht im Spiel". Vielmehr handele es sich um einen Streit, der eskaliert sei. Der 27-Jährige sei nach der Tat geflüchtet, konnte jedoch kurze Zeit später festgenommen werden.
Der mutmaßliche Täter konnte noch nicht vernommen werden, weil er mit schweren Verletzungen, die er sich wohl selbst zugefügt hatte, im Krankenhaus behandelt wurde, wie ein Sprecher des Führungs- und Lagezentrums in Saarbrücken sagte. Ob es sich bei einem am Tatort gefundenen Messer um die Tatwaffe handele, sei ebenso unklar wie die Motivation des Mannes.
Der tatverdächtige Syrer wohnt in Saarbrücken und war laut Polizei am Vormittag zur Beratung in das Psychosoziale Zentrum für Flüchtlinge und Migranten des DRK im Stadtteil Burbach gekommen, in dem traumatisierte Menschen Hilfe bekommen. Ob er zum ersten Mal kam oder schon länger in Behandlung war, war zunächst unklar.
Rotes Kreuz trauert um Mitarbeiter
"Es ist ganz schrecklich", sagte der Sprecher des saarländischen DRK-Landesverbandes, Martin Erbelding. "Die Betroffenheit bei den Kollegen ist sehr, sehr hoch." Ein Kriseninterventionsteam und die Notfallseelsorge seien vor Ort. Der Mitarbeiter gehörte seit 2014 zum Team und arbeitete für das psychologisch-orientierte Projekt "Hope", das traumatisierte Menschen bei einem Neubeginn unterstützt.
"Wir alle sind entsetzt und schockiert", sagte der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, Rudolf Seiters. "Das gesamte DRK trauert um einen verdienstvollen Mitarbeiter. Unser Mitgefühl gehört den Angehörigen."
Der Fraktionschef der Linken im Saarland, Oskar Lafontaine, erklärte, es sei besonders traurig, dass ein Mitbürger, der helfen wollte, bei dieser wichtigen Arbeit angegriffen und getötet worden sei."
DRK-Sprecher Erbelding erklärte, es sei noch zu früh zu sagen, was die Tat für die künftige Arbeit der Mitarbeiter bedeute. Es gebe immer ein gewisses Risiko, wenn man mit Menschen aus Bürgerkriegsländern arbeite. Das Rote Kreuz im Saarland zählt rund 2500 hauptamtliche und mehr als 6000 ehrenamtliche Mitarbeiter. Zum Team des Getöteten gehörten elf Mitarbeiter.
Das DRK betreibt das psychosoziale Zentrum an zwei Standorten: in der zentralen Flüchtlingsaufnahmestelle Lebach sowie in Saarbrücken-Burbach. In Burbach sollen speziell Flüchtlinge und Migranten mit posttraumatischen Störungen oder Problemen mit der ihnen fremden Kultur Hilfe finden. In dem Zentrum arbeiteten Psychologen und Therapeuten, aber auch Sozialarbeiter und sogenannte Kulturmittler. Flüchtlinge können dort psychologisch betreut wie auch psychotherapeutisch behandelt werden.