Roman Polanski: Keine Auslieferung an die USA
Schweizer Justiz Polanski wird nicht an USA ausgeliefert
Bern - Der Auslieferungsantrag der USA sei abgewiesen worden, teilte die Regierung in Bern am Montag mit. Polanski könne sich frei bewegen, sagte Justizministerin Widmer-Schlumpf.
Die Schweizer Regierung erklärte, die amerikanischen Behörden hätten die vertraulichen Zeugenaussagen in Polanskis Verfahren nicht vorgelegt. Widmer-Schlumpf sagte laut einem Bericht der Schweizer Nachrichtenagentur SDA, neben Zweifeln an der Darstellung des Sachverhalts im Auslieferungsgesuch spiele auch das Vertrauen eine Rolle, das Polanski in die Schweiz setzen durfte. Der Regisseur sei seit 2006 Chaletbesitzer in Gstaad und sei in der Schweiz nie behelligt worden. Er sei im begründeten Vertrauen in die Schweiz gereist, keine rechtlichen Nachteile erwarten zu müssen.
Der polnisch-französische Filmemacher war Ende September vergangenen Jahres aufgrund eines US-Haftbefehls im Zusammenhang mit einem Missbrauchsfall festgenommen worden, als er zu einem Filmfest nach Zürich reisen wollte. Seit Dezember stand er in seinem Ferienhaus im Schweizer Gstaad unter Hausarrest. Dieser wurde jetzt aufgehoben.
Die USA werfen ihm vor, in den siebziger Jahren die damals 13-jährige Samantha Geimer bei einer Feier in Los Angeles 1977 mit Alkohol und Drogen gefügig gemacht und sexuell missbraucht zu haben. Die mittlerweile über vierzigjährige Frau meldete sich bereits mehrmals mit dem Wunsch zu Wort, das Verfahren solle eingestellt werden.
Der heute 76-jährige Polanski hatte damals die Tat gestanden und 42 Tage im Gefängnis verbracht. Vor Verkündung des Strafmaßes 1978 setzte er sich nach Europa ab und kehrte seitdem nie in die USA zurück.
Im Mai dieses Jahres hatte eine weitere Frau Missbrauchsvorwürfe erhoben: Charlotte Lewis behauptete, im Alter von 16 Jahren von Polanski in dessen Pariser Wohnung "auf schlimmste Art und Weise" sexuell missbraucht worden zu sein. Lewis, heute 42, spielte in Polanskis Film "Piraten" eine Nebenrolle. Als der Film 1986 Premiere feierte, war sie bereits 19 und trat mit Polanski bei den Filmfestspielen in Cannes auf. Die Anwälte des Regisseurs weisen die Vorwürfe zurück.