SEK-Einsatz Geiselnahme in Görlitzer Gefängnis
Görlitz - Wie die Polizei mitteilte, ereignete sich der Vorfall gegen 13 Uhr. Ein polnischer Häftling hat in der Justizvollzugsanstalt Görlitz einen anderen Gefangenen in einem Außenflügel als Geisel genommen. Wie die Polizei mitteilte, bedrohte der Mann den Mithäftling "mit einem scharfkantigen Gegenstand" und verbarrikadierte sich in einem Zellentrakt.
Der Anstaltsleiter sagte SPIEGEL ONLINE: "Wir setzen auf eine Verhandlungslösung." Es werde alles daran gesetzt, die Geiselnahme zu beenden, ohne dass jemand zu Schaden komme. Es habe bereits einen ersten Kontakt zu dem Geiselnehmer gegeben.
Spezialeinsatzkräfte der Polizei und des Landeskriminalamts LKA hätten das Gefängnis sofort abgeriegelt. Womit genau der Geiselnehmer sein Opfer bedroht und welche Forderungen er stellt, wollte Anstaltsleiter Frank Hiekel nicht sagen.
Bei dem Geiselnehmer handle es sich um einen verurteilten Gewalttäter. "Es ist ein Strafgefangener, der erst seit heute hier ist", so Hiekel. Er und die Geisel seien aus Bayern verlegt worden.
Weitere Insassen sind nicht in Gefahr
Der Geiselnehmer habe einen Moment ausgenutzt, in dem er Kontakt zu anderen Häftlingen hatte, sagte ein Polizeisprecher. Die beiden Männer seien allein in einem Zellentrakt. Der Täter habe keine Möglichkeit, andere Gefangene in Gefahr zu bringen. "Wir sind mit ihm in Kontakt", sagte der Sprecher.
Die Justizvollzugsanstalt Görlitz befindet sich neben dem Landgericht in der Innenstadt. In dem seit 1865 betriebenen Gefängnis sind insgesamt 200 Insassen unterbracht. Dabei handelt es sich um Häftlinge mit Freiheitsstrafen bis zu zwei Jahren und Untersuchungsgefangene.
Außerdem ist die JVA im Zuge der Amtshilfe für Ordnungs-, Sicherungs-, Zwangs-, Erzwingungs- und Abschiebehaft zuständig. Die Straftäter arbeiten zum Teil in Küche und Werkstatt des Gefängnisses. Ihnen werden berufliche Qualifizierungsmaßnahmen im Bereich Metall und Elektrotechnik angeboten.
Görlitz liegt in Ostsachsen, unmittelbar an der Grenze zu Polen. Geiselnahmen gab es in sächsischen Gefängnissen unter anderem 2005 in Dresden und im Jahr 2000 in Bautzen.