Serientäter Thomas Feldhofer: Der Unfassbare
Serientäter Thomas Feldhofer Der Unfassbare
Die Boulevardpresse nennt Thomas Feldhofer "Rambo-Räuber" oder sogar "Deutschlands gefährlichsten Verbrecher". Seit Monaten liefert sich der Serienräuber ein Katz-und-Maus-Spiel mit der Staatsmacht, das von letzterer als brutal beschrieben wird. So soll der 46-Jährige Anfang Dezember in seiner Heimatstadt Krefeld einen Beamten fast getötet haben, als er in einem gestohlenen Polo auf ihn zuraste. Von versuchtem Mord war die Rede. Zunächst.
Inzwischen allerdings, und daher drängen sich Zweifel an der Richtigkeit dieser drastischen Darstellung auf, wertet die Ermittlungskommission "Thomas" im Düsseldorfer Polizeipräsidium Feldhofers Befreiungsfahrt nur noch als einen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr.
Zudem lässt das Vorgehen des Täters bei seinen Überfällen nicht zwingend den Schluss zu, dass hier ein vollkommen rücksichtsloser Krimineller am Werk ist. Manche Zeugen schilderten der Polizei, wie höflich, ja fast schon schüchtern Feldhofer gewirkt habe. Einmal, so heißt es in Sicherheitskreisen, habe er einen Raubversuch abgebrochen, weil sein Gegenüber nachgefragt habe, warum er denn nun die Hände heben müsse. Und mit den Insassen eines Linienbusses, den er vorübergehend in seiner Gewalt hatte, soll der 46-Jährige ausführlich diskutiert haben, ob sie ihm nun ihre Wertsachen herauszugeben hätten oder nicht.
Günstige Sozialprognose führte zu Haftentlassung
Gleichwohl ist man im Düsseldorfer Präsidium nach wie vor davon überzeugt, es mit einem Mann zu tun zu haben, der sich zwar extrem jovial und freundlich geben könne, in Wahrheit jedoch ein gefährlicher Straftäter sei. Man dürfe "auf keinen Fall den Helden spielen", wenn man Feldhofer sehe, sagt ein Beamter, sondern müsse unbedingt den Notruf wählen. Inzwischen ist ein europäischer Haftbefehl in Kraft, es wurden Plakate gedruckt, Hubschrauber eingesetzt, 5000 Euro Belohnung ausgelobt - und am Mittwochabend gehen die Ermittler auch noch ins Fernsehen: Bei "Aktenzeichen XY" soll der Fall vorgestellt werden, es ist die Ultima Ratio der Fahnder.
Was die Suche nach Feldhofer so schwierig macht, ist der Umstand, dass er keinerlei sozialen Kontakte zu haben scheint. Sieben Jahre lang saß der gelernte Elektriker in der Justizvollzugsanstalt Lingen, weil er in den neunziger Jahren bei Raubüberfällen 750.000 Mark erbeutet hatte. Besuch im Gefängnis aber bekam er nie. In einem Handy, das er auf seiner Flucht benutzt und verloren hatte, fand sich kein einziger privater Kontakt.
Im Jahr 2008 wurde er aus dem Knast entlassen, ihm war eine günstige Sozialprognose samt geringer Rückfallwahrscheinlichkeit gestellt worden. Drei Jahre lang lebte Feldhofer unauffällig. Dann soll er eine Sparkasse im niederrheinischen Voerde überfallen haben. Zwei Dutzend weitere Straftaten folgten nach Angaben der Ermittler bis dato.
Dabei streifte der als "hochflexibel" beschriebene Einzelgänger kreuz und quer durch Europa, ohne dass seine Verfolger dabei ein festes Muster erkennen können: Frankreich, Spanien, Ostdeutschland, Nordrhein-Westfalen. Es wirkt, als wisse der Gehetzte selbst nicht, wo er sich verstecken solle. Jedoch ist anzunehmen, dass der notorische Spieler sich häufig in entsprechenden Etablissements aufhält.
In Berlin fand man zuletzt das Auto, mit dem Feldhofer zeitweilig unterwegs gewesen sein soll: einen silberfarbenen Peugeot 3008, amtliches Kennzeichen MTK F 540, die Seitenscheibe eingeschlagen. Doch die örtliche Polizei brauchte wohl Tage, um die Verbindung zu Feldhofer zu erkennen, der Serientäter war da längst verschwunden.
Im Dezember soll er zuletzt zugeschlagen haben: Überfälle in Sachsen-Anhalt auf ein Elektrofachgeschäft und eine Bank werden ihm zugeschrieben. Die Beute betrug nach Polizeiangaben einige tausend Euro. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Gesuchte schon sehr bald wieder Geld braucht für Flucht und Glücksspiel, dass er wieder zuschlagen muss. Es ist daher wohl nur eine Frage der Zeit, bis Thomas Feldhofer, der "Rambo-Räuber", endlich gefasst wird.