Skyguide-Prozess: "Ich hätte das ändern können" - DER SPIEGEL
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Skyguide-Prozess "Ich hätte das ändern können"

Fast fünf Jahre nach dem Flugzeugunglück von Überlingen stehen acht Mitarbeiter der Schweizer Flugsicherung Skyguide vor Gericht. Ihnen wird eine Mitschuld am Zusammenstoß zweier Flugzeuge im Juli 2002 vorgeworfen.
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Bülach - Bei dem Unglück waren 71 Menschen ums Leben gekommen, ein Großteil davon Kinder. Den Angeklagten drohen wegen fahrlässiger Tötung Bewährungsstrafen zwischen sechs und 15 Monaten.

Am ersten Tag des Prozesses befragte der Präsident des Bezirksgerichts in der schweizerischen Stadt Bülach, Rainer Hohler, den damaligen Chef der Flugsicherung Zürich vor allem dazu, warum zum Zeitpunkt des Unglücks nur ein Lotse vor den Radarschirmen Dienst tat. Dies widerspreche den internationalen Standards. Damals sei dieses jedoch gängige und der Geschäftsleitung bekannte Praxis gewesen, entgegnete der Angeklagte: "Ich war der Chef und hätte das ändern können. Ich hatte keine Veranlassung dazu."

Zwar war ein zweiter Fluglotse, der ebenfalls auf der Anklagebank sitzt, für die Nachtschicht eingeteilt. Er machte jedoch Pause, als es kurz vor Mitternacht zum Zusammenstoß kam.

Die Staatsanwaltschaft wirft zwei weiteren Skyguide-Verantwortlichen vor, die Anwesenheit von nur einem Fluglotsen im Kontrollraum in Kauf genommen haben. Vier Angeklagten wird zur Last gelegt, ihre Kollegen unzureichend über Wartungsarbeiten informiert zu haben, die zum Zeitpunkt des Unglücks im Gange waren. Die Beschuldigten bestreiten ihre Schuld.

Der am Abend des Unglücks allein vor dem Radar sitzende Lotse wurde im Februar 2004 von einem Russen erstochen, der bei dem Absturz seine Familie verloren hatte.

Der Fluglotse hatte seinerzeit erst 44 Sekunden vor dem Zusammenprall realisiert, dass sich die Tupolev-Maschine der Fluggesellschaft Baskhirian Airlines und die Frachtmaschine der Deutschen Post-Tochter DHL auf Kollisionskurs befanden. Deutsche Fluglotsen, die die Katastrophe kommen sahen, hatten noch versucht, in Zürich anzurufen, waren aber wegen der Wartungsarbeiten nicht durchgekommen.

Der Prozess soll bis Ende Mai dauern.

jdl/Reuters