Somalia: Piraten kapern spanisches Fabrikschiff - DER SPIEGEL
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Somalia Piraten kapern spanisches Fabrikschiff

Somalische Piraten haben ein spanisches Fischerei-Fabrikschiff in ihre Gewalt gebracht. 36 Mann sitzen als Geiseln fest. Die spanische Marine konnte zwei mutmaßliche Kidnapper festnehmen.
Entführter Fischtrawler "Alakrana": 36 Mann Besatzung als Geiseln genommen
Entführter Fischtrawler "Alakrana": 36 Mann Besatzung als Geiseln genommen

Entführter Fischtrawler "Alakrana": 36 Mann Besatzung als Geiseln genommen

Foto: A2609 epa efe Min. Environment/Ho/ dpa
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Nairobi - Wochenlang war wegen schlechten Wetters und hoher See Ruhe, doch nun haben somalische Piraten im Indischen Ozean wieder zugeschlagen. Rund 400 Seemeilen östlich von Somalia haben vermutlich 13 Piraten den baskischen Thunfisch-Trawler "Alakrana" geentert und an die somalische Küste gebracht. Ein spanisches und ein niederländisches Kriegsschiff kamen zu spät, um noch einzugreifen.

Die "Alakrana", mehr als hundert Meter lang und eine Art Fabrikschiff, war bereits am Freitag kurz nach Tagesanbruch gekidnappt worden. Die Attacke muss für die Besatzung völlig überraschend erfolgt sein. Der Kapitän konnte gerade noch die Position durchgeben, kurz danach verstummten alle elektronischen Signale, und das Schiff nahm Kurs auf die somalische Küste. Aufklärungsflugzeuge der EU-Mission "Atalanta", die es kurz danach überflogen, meldeten bewaffnete Personen an Bord.

Der Fall ist insofern besonders, weil die Kidnapper mit 36 Mann Besatzung, darunter 16 Spanier, so viele Geiseln wie selten zuvor in ihrer Hand haben. Die Gefangenen immerhin scheinen vorläufig wohlauf zu sein, einige von ihnen durften mit Angehörigen in Spanien telefonieren.

"Dieses Schiff fischt schon lange illegal in unseren Gewässern, und jetzt haben wir es uns geschnappt", frohlockte einer der Kidnapper im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP.

Unweit der "Alakrana" hat die spanische Fregatte "Canaris" festgemacht, die das Geschehen überwacht. Die Marinesoldaten konnten zwei Kidnapper festnehmen, die in einem Boot auf dem Weg an die Küste waren, einer der beiden soll dabei angeschossen worden sein.

Die spanische Regierung richtete einen Krisenstab ein, die beiden mutmaßlichen Entführer sollen schnell vor ein spanisches Gericht gestellt werden.

Die "Alakrana" war vor wenigen Tagen schon einmal von Piraten attackiert worden, konnte damals jedoch entkommen.

Heftige Debatten in Spanien

Der Fall führt in Spanien auch deshalb zu heftigen Debatten, weil die Baskische Nationalistische Partei kürzlich bewaffnetes Personal für die spanische Fangflotte im Indischen Ozean gefordert hatte. Die rekrutiert sich vor allem aus Basken.

Regierung und Parlament in Madrid hatten das Ersuchen jedoch mit Verweis auf die Rechtslage abgelehnt. Frankreich hatte für seine Fangflotte im Indischen Ozean im Juli rund 30 Marinesoldaten abgestellt, die auf den Trawlern mitfahren.

Der Indische Ozean ist das weltweit ertragreichste Thunfisch-Fanggebiet. Insbesondere Spanier und Franzosen stellen den Tieren dort mit riesigen Fabrikschiffen nach. Allein die Spanier sollen mit mehr als 20 Schiffen zwischen Somalia und den Seychellen unterwegs sein. Viele von ihnen, darunter auch die "Alakrana", sind in den vergangenen Jahren mit EU-Geldern modernisiert worden. Allerdings sind die Erträge im Jahr 2008 wegen der vielen Piratenangriffe um rund 30 Prozent zurückgegangen.

Im April 2008 war ein spanisches Fischereischiff gekapert worden. Nach einer Lösegeldzahlung kam das Schiff nach gut einer Woche wieder frei. Derzeit befinden sich noch fünf Schiffe in der Gewalt somalischer Piraten.