Spanien Dorfbewohner üben Selbstjustiz
Madrid - Die wütende Dorfmeute versperrte der Polizei den Weg und hinderte die Feuerwehr daran, den gelegten Brand zu löschen. Einen ersten Anschlagsversuch zu Silvester hatte die Polizei noch verhindern können. "Der Brand war nicht das Werk von Einzelnen, sondern des gesamten Dorfes", gestand Bürgermeister Lope Benavente der Zeitung "El Mundo". Der attackierte Villenbesitzer und seine Familie flüchteten zu Fuß und entkamen den aufgebrachten Dorfbewohnern.
Der "Dorftyrann" soll ihrer Meinung nach in dem Dorf südlich von Madrid eine "Terrorherrschaft" errichtet haben. Er soll die Bewohner seit mehr als sieben Jahren schikaniert, terrorisiert und mit Waffen bedroht haben. Wer sich dem vorbestraften Kriminellen in den Weg stellte, sei von diesem und dessen Komplizen zusammengeschlagen worden, so "El Mundo".
Der unter dem Spitznamen "Der Glatzköpfige" bekannte Javier B. sei außerdem oft mit einer Pistole oder einem Messer bewaffnet in Bars und Supermärkte gegangen. "Er nahm sich, was er wollte, und bezahlte nie." Er habe nicht gezögert, Gewalt anzuwenden. Am 23. Dezember schubste er in einer Kneipe Gäste zur Seite. Ein Mann drohte ihm "Bis hierher und nicht weiter" und verprügelte B. Eine Woche später kam B. mit einigen Freunden wieder, um die Bar zu zerstören. Danach entschloss sich die Dorfgemeinschaft, Selbstjustiz zu üben.
Die Polizei hat bereits damit begonnen, Dorfbewohner zu verhören. Sie wird nach Angaben des Blattes jedoch auf eine "Mauer des Schweigens" stoßen. "Die Schuld an dem Vorfall tragen die Gerichte", sagte eine Bewohnerin. "Es darf nicht sein, dass ein solcher Gesetzesbrecher mehrmals festgenommen, von den Richtern aber immer wieder auf freien Fuß gesetzt wird."
jjc/dpa/Reuters