Straubing Geiselnahme in Gefängnis unblutig beendet
Straubing - Ein Verhandlungsteam bewegte den Schwerverbrecher aufzugeben: Seit dem frühen Morgen befindet sich der Mann wieder in seiner Zelle. Das Messer, mit dem er eine 49 Jahre alte Justizbeamtin bedroht hatte, wurde sichergestellt. Die Frau blieb unverletzt und wird psychologisch betreut. Das Motiv des Mannes, der wegen schwerer Straftaten zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, ist noch unklar.
Der Häftling hatte die Frau am Dienstagnachmittag in der sozialtherapeutischen Abteilung der Justizvollzugsanstalt (JVA) in seine Gewalt gebracht. Die Polizei hatte den Gefängniskomplex mit zahlreichen Beamten abgeriegelt und ein Spezialeinsatzkommando postiert. Die Polizei setzte aber zunächst auf Verhandlungen mit dem Geiselnehmer.
Der 51-Jährige wurde schließlich laut Polizei von einer speziellen Verhandlungsgruppe zur Aufgabe bewegt. Auch der Psychologe der Anstalt sei einbezogen gewesen, sagte Polizeisprecher Ludwig Stegerer in der Nacht. Zum Motiv wurden zunächst keine genaueren Angaben gemacht. Es liege nach ersten Erkenntnissen "im persönlichen Bereich".
Die Geiselnahme war bereits das zweite Verbrechen binnen weniger Stunden in einem niederbayerischen Justizgebäude. Am Dienstagvormittag hatte ein 60-Jähriger im Landshuter Landgericht seine Schwägerin und sich selbst erschossen. Eine weitere Verwandte und ein Anwalt wurden bei der Schießerei vor einem Sitzungssaal des Gerichts verletzt.
Die mehr als 100 Jahre alte JVA Straubing in Ostbayern ist das wichtigste Hochsicherheitsgefängnis im Freistaat. Dort sitzen zum großen Teil Verbrecher mit besonders langen Haftstrafen ein. Mehr als ein Fünftel der rund 850 inhaftierten Männer sind wegen Mordes zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt worden. Zudem werden in Straubing Täter untergebracht, gegen die wegen ihrer Gefährlichkeit Sicherungsverwahrung verhängt wurde.