Schock auf Geburtsstation Baby aus Stuttgarter Klinik entführt
Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart: Sicherheitsmaßnahmen im Haus überdenken
Foto: Robert-Bosch-Krankenhaus / Tobias ScheurerStuttgart - Der Moment des Erwachens, der erste Blick in das leere Bettchen muss für sie ein unglaublicher Schock gewesen sein. Sie könne das Gefühl nicht beschreiben, das sie in diesem Moment erfasst habe, sagte Sibel C., 26, der "Bild"-Zeitung: "Ich lief weinend durch das Krankenhaus, schrie 'Wo ist mein Baby? Wo ist mein Baby?' Aber keiner wusste es!"
Wie sich später herausstellte, soll eine 22-Jährige am Morgen des 29. Dezember den erst wenige Tage alten Miran entführt haben und mit ihm in ihre Wohnung gefahren sein. Nach Angaben der Stuttgarter Polizei ist die Frau "psychisch auffällig". Die groß angelegte Suche im Umfeld des Robert-Bosch-Krankenhauses verlief zunächst ergebnislos. Erst gegen Mittag meldete sich ein Mann mit dem entscheidenden Hinweis.
Der Zeuge war laut Polizei misstrauisch geworden, weil eine Verwandte plötzlich von einem Baby berichtet habe, mit dem sie überfordert sei. Die Frau war zuvor jedoch nicht schwanger gewesen. Tatsächlich handelte es sich bei dem Kind, das die Beamten wenig später in der Wohnung der 22-Jährigen entdeckten, um den vermissten Miran. Die mutmaßliche Täterin wurde in eine Spezialklinik eingewiesen, der Junge kam wohlbehalten zurück zu seinen Eltern.
"Die Frage ist doch, wie so etwas passieren kann?", so der Anwalt der Eheleute, Macit Karaahmetoglu, SPIEGEL ONLINE. Es gehe seinen Mandaten darum, genau das herauszufinden. Auch hätten zwei Frauen mit zwei Neugeborenen in dem Krankenzimmer gelegen, seine Mandantin sei von der Tür weiter entfernt und hinter einem Vorhang verborgen gewesen. "Weshalb wurde ihr Kind entführt?", so Karaahmetoglu.
Die Klinik teilte auf Anfrage mit, man werde die Sicherheitsmaßnahmen im Haus überdenken. Gleichwohl seien diese bereits "sehr hoch", so Geschäftsführer Ullrich Hipp. Das Robert-Bosch-Krankenhaus sei ein "offenes Haus, das Patienten und Besucher willkommen heißt". Gerade auf der Geburtsstation, auf der täglich Angehörige frischgebackener Eltern begrüßt würden, solle das beibehalten werden.