Terrorprozess Qaida suchte Attentäter in Deutschland
Düsseldorf - Oberstaatsanwalt Horst Salzmann warf dem im Irak geborenen 30-jährigen Ibrahim Mohamed K. und dem 32 Jahre alten Palästinenser Yasser Abu S. Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vor. Beiden drohen bis zu zehn Jahre Freiheitsstrafe. Der 29-jährige Ismail, ein Bruder von Yasser Abu, ist wegen Unterstützung von al-Qaida angeklagt.
Laut Bundesanwaltschaft reiste der zuletzt in Mainz lebende K. erstmals 1997 nach Deutschland ein. Vor dem 11. September 2001 sei er dann in afghanischen Qaida-Lagern ausgebildet worden, sagte Salzmann. Nach den Anschlägen in den USA habe er bis zum Sommer 2002 aktiv gegen US-Truppen in Afghanistan gekämpft. Dabei sei K. in die Kommandostruktur des Netzwerks eingebunden gewesen - mit Kontakten auch zu Qaida-Chef Osama Bin Laden.
Auf Anordnung der Terrororganisation kehrte K. im Juli 2002 mit dem Auftrag nach Deutschland zurück, in Europa Kandidaten für Selbstmordanschläge zu rekrutieren und zugleich Gelder für al-Qaida zu beschaffen, so die Anklage. So habe er 2004 die Medizinstudenten Yasser und Ismail Abu S. kennen gelernt. Yasser Abu S. habe sich zunächst bereit erklärt, Geld für al-Qaida zu beschaffen. Schließlich wollte er auch ein Selbstmordattentat im Irak begehen. Abgesehen davon habe K. versucht, Ende 2004 in Luxemburg 48 Gramm hoch angereichertes Uran zu beschaffen. Dies sei jedoch fehlgeschlagen.
Richter in dem Verfahren ist Ottmar Breidling. Er verurteilte bereits den "Kalifen von Köln", Metin Kaplan, sowie mehrere Mitglieder der Terrorgruppe al-Tawhid. Die Bundesanwaltschaft gab sich zu Prozessauftakt überzeugt, dass al-Qaida "weiterhin die Speerspitze des globalen Dschihad" sei.
Geld für al-Qaida durch groß angelegte Betrugsserie
Neben dem Anwerben von Selbstmordattentätern, wollten der Bundesanwaltschaft zufolge die drei Männer auch Geld für das Terrornetzwerk beschaffen - durch eine groß angelegte Betrugsserie. Dazu habe der zuletzt in Bonn lebende Yasser Abu S. von August 2004 bis Januar 2005 insgesamt neun Lebensversicherungen über mindestens 1,3 Millionen Euro abgeschlossen. Weitere 24 Versicherungen über drei Millionen Euro hatte der heute 32-Jährige laut Anklage bereits beantragt. Als Begünstigter war demnach stets der mitangeklagte jüngere Bruder des Palästinensers eingesetzt, der in Marburg studierte. Um an das Geld heranzukommen, wollte das Trio nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft einen tödlichen Verkehrsunfall von Yasser Abu S. in Ägypten vortäuschen. Ein Teil der Summe sollte dann an al-Qaida fließen.
Der Festnahme der Angeklagten im vergangenen Jahr waren umfangreiche Überwachungsmaßnahmen von Wohnräumen vorangegangen. Die Verteidiger rügten diese Überwachung in einer Erklärung als "verfassungswidrig". Für den Prozess sind zunächst 51 weitere Verhandlungstage bis Ende Oktober anberaumt.
aki/AFP/dpa