Dutzende Taten gestanden Texas richtet Serienmörder mit Giftinjektion hin
Hingerichteter Sells: Dutzende Tötungen gestanden
Foto: AP/Texas Department of Criminal JusticeHuntsville - Texas hat einen wegen Serienmordes verurteilten Mann mit der Giftspritze hingerichtet. Der 49-jährige Tommy Sells wurde am Donnerstag um 18.27 Uhr für tot erklärt. Weniger als eine Stunde vor der Exekution hatte das Oberste Gericht der USA einen Antrag der Verteidigung zur Feststellung der Art und der Herkunft des tödlichen Gifts abgewiesen.
Bei Hinrichtungen in den USA wird in jüngster Zeit vermehrt das offiziell nicht zugelassene Betäubungsmittel Pentobarbital verwendet. Die US-Strafvollzugsbehörden haben bei den Substanzen für die Giftspritzen seit längerem Nachschubprobleme, da sich die europäischen Hersteller der Präparate weigern, diese für Hinrichtungen zur Verfügung zu stellen.
Mehrere US-Bundesstaaten haben daher neue und nicht erprobte Giftmischungen von nicht bundesweit zertifizierten Herstellern ausprobiert. Eine Charge Pentobarbital, die Texas bei einer Apotheke in Houston gekauft hatte, überschritt Ende März ihr Haltbarkeitsdatum. Das Geschäft weigerte sich, dem Staat mehr von der Substanz zu verkaufen. Man habe Drohungen erhalten, nachdem die erste Lieferung bekannt geworden sei, teilte die Apotheke mit.
Texas suchte sich einen neuen Lieferanten, den die Behörden nun geheim halten. Sie argumentieren, das sei notwendig, um die Apotheke vor Gewalt durch Gegner der Todesstrafe zu schützen. Sells' Anwälte sagten dagegen, man brauche den Namen des Lieferanten, um sicherzustellen, dass die Substanz qualitativ gut genug sei, um den 49-Jährigen vor "unnötigen Schmerzen" zu bewahren - denn diese wären verfassungswidrig.
Sells war der erste Todeskandidat, dem das neue Pentobarbital injiziert wurde. Eine Jury hatte ihn 2000 für schuldig befunden, die 13-jährige Kaylene Harris erstochen und die zehnjährige Krystal Surles schwer verletzt zu haben. Laut Gerichtsunterlagen soll Sells insgesamt bis zu 70 Tötungen gestanden haben. Unter anderem gab er zu, 2003 eine 13-Jährige in Missouri umgebracht zu haben. Auch zum Mord an einer neunjährigen Texanerin im Jahr 1999 sowie zum Mord an einer Familie aus Illinois zwölf Jahre davor bekannte er sich.
Es war bereits die fünfte Hinrichtung in Texas in diesem Jahr und die 15. in den USA insgesamt. Im vergangenen Jahr war Texas für mehr als ein Drittel aller Hinrichtungen in den USA verantwortlich.