Tianjin: Ermittler decken illegale Machenschaften auf - DER SPIEGEL
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Katastrophe von Tianjin Behörden nehmen vier Firmenbosse fest

Nach den Explosionen im chinesischen Tianjin sind die Ermittler auf illegale Praktiken im betroffenen Gefahrgutlager gestoßen. Sicherheitsauflagen wurden von der Firma demnach gezielt umgangen.
Krater und Verwüstung in Tianjin: Bergungsarbeiten dauern an
Krater und Verwüstung in Tianjin: Bergungsarbeiten dauern an

Krater und Verwüstung in Tianjin: Bergungsarbeiten dauern an

Foto: CHINA STRINGER NETWORK/ REUTERS
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Die Betreiber des explodierten Gefahrgutlagers in Tianjin waren offenbar in illegale Machenschaften verwickelt. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete über Vetternwirtschaft zwischen gut vernetzten Vertretern des "dubiosen Unternehmens" Ruihai Logistik und Aufsichtsorganen. Vier Eigentümer und Manager wurden festgenommen.

Xinhua präsentierte erste Ergebnisse der Ermittlungen zu der Katastrophe mit mindestens 114 Toten. So seien "falsche Eigentumsverhältnisse" bei dem Betreiber des Lagers festgestellt worden. Hinter Ruihai Logistik stünden der Sohn eines früheren Polizeichefs des Hafens, Dong Shexuan, sowie der Ex-Manager des staatlichen Chemiekonzerns Sinochem, Yu Xuewei. Über Strohmänner hätten sie Anteile gehalten.

Um die in China "Guanxi" genannten "guten Beziehungen" des Sprösslings des 2014 gestorbenen Polizeichefs auszunutzen, hätten sie 2012 die Firma gegründet. Diese Kontakte hätten ihnen geholfen, die nötigen Zertifikate von Feuerwehr und Behörden zu bekommen. Zwischen Oktober 2014 und Juni 2015 habe das Unternehmen trotz einer abgelaufenen Erlaubnis Chemikalien transportiert, berichtete Xinhua.

Lager zu nah an Wohnhäusern

"Wenn eine Brandschutzinspektion anstand, traf ich mich mit Behördenvertretern bei der Hafenfeuerwehr. Ich gab ihnen Dokumente, und kurz darauf erhielten wir ein positives Gutachten", sagte Dong.

Ein weiterer Verstoß gegen Sicherheitsvorschriften war die Lage des Gefahrgutlagers. Es war nur 560 Meter von Wohnblocks entfernt, obwohl 1000 Meter vorgeschrieben sind. Die Baugenehmigung sei erteilt worden, nachdem Feuerschutzdokumente "grünes Licht" gegeben hätten, sagte Zhu Liming vom Raumnutzungsamt. Nach Angaben der Ruihai-Manager hatte ein erster Gutachter die Nähe bemängelt, sie hätten dann ein anderes Unternehmen beauftragt, das ihnen die nötigen Papiere erstellt habe.

Erhöhte Cyanid-Werte im Wasser

Die Bergungsarbeiten in dem Trümmergebiet um den riesigen Krater im Hafen der nordchinesischen Stadt kamen derweil nur langsam voran. Regen erschwerte zeitweise die Aufräumarbeiten. Viele fürchteten außerdem, das Wasser könne giftige Stoffe verbreiten. Chinesische Reporter berichteten von ungewöhnlichem weißem Schaum auf den Straßen. An 8 von 40 Messstationen im Wasser seien erhöhte Cyanid-Werte gemessen worden, sagte Bao Jinling, Chefingenieur des Umweltschutzamtes von Tianjin.

In dem Lager mit 3000 Tonnen gefährlichen Chemikalien war es am 12. August nach einem Brand zu heftigen Explosionen gekommen, die in einem weiten Umkreis schwere Verwüstungen anrichteten. 65 Menschen werden nach Angaben des Staatsfernsehens noch vermisst. Mehr als 670 Verletzte werden im Krankenhaus behandelt. Unter ihnen sind knapp 40 Schwerverletzte. Von den 114 Toten sind 101 identifiziert, darunter 53 Feuerwehrleute und 7 Polizisten.

kis/dpa/AFP