Studentin aus Trier: Der Fall Tanja Gräff
Tanja Gräff Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen im Fall von toter Studentin ein
Die Staatsanwaltschaft in Trier hat die Ermittlungen im Fall Tanja Gräff eingestellt. "Die Ermittlungen haben keine belastbaren Hinweise erbracht, dass Tanja einer Straftat zum Opfer gefallen ist", sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Peter Fritzen. Der tödliche Sturz der 21-Jährigen sei "mit hoher Wahrscheinlichkeit" ein Unfall gewesen.
Die Studentin war vor zehn Jahren auf einem Sommerfest der Hochschule spurlos verschwunden. Im Mai 2015 wurde ihr Skelett zufällig bei Rodungsarbeiten unterhalb einer steilen Felswand in Trier-Pallien gefunden.
Die Analyse der sterblichen Überreste ergab: Die Studentin erlitt beim Sturz aus 50 Meter Höhe tödliche Verletzungen. Es gab keine Hinweise auf eine Gewalteinwirkung durch Dritte. Was blieb, war die Frage: Wurde die Studentin möglicherweise in den Tod gestoßen? Ab Januar 2016 hatte die Staatsanwaltschaft deshalb den Abschlussbericht der Sonderkommission und alle weiteren Akten zu dem Fall erneut ausgiebig geprüft.
Das abschließende Ergebnis liegt nun vor. Es gebe keine Ansatzpunkte für weitere Ermittlungen, sagte Fritzen. "Es ist aus unserer Sicht alles ausermittelt worden."
Jahrelang ging die Polizei davon aus, dass die Lehramtsstudentin Opfer eines Verbrechens geworden sei. Polizeihundertschaften durchkämmten mehrfach die Wälder rund um die Hochschule, Hubschrauber mit Wärmesensoren flogen auf der Suche nach Gräffs Leiche die Mosel entlang, Leichenspürhunde sollten Witterung aufnehmen.
Studentin aus Trier: Der Fall Tanja Gräff
Taucher suchten die Mosel, Teiche und einen Stausee in Luxemburg ab. 3000 Hinweisen und Spuren ging die Polizei nach, allein 6000 Fotos der Hochschulparty wurden gesichtet. Dutzende Zeugen antworteten einer Sonderkommission, per "Aktenzeichen XY ... ungelöst" wurde nach Männern gefahndet, die angeblich zuletzt mit Gräff gesehen worden waren. "Sämtliche Spuren im Fall Tanja Gräff verliefen leider im Sand", sagte der damalige Leiter der Ermittlungskommission, Christian Soulier.
Bis dann am 11. Mai 2015 Waldarbeiter am Fuß einer Felswand in unmittelbarer Nähe der Hochschule mit Rodungsarbeiten begannen - und auf Knochen und Kleidungsstücke stießen. Wieder wurde ermittelt. Mit lebensgroßen Puppen wurde das "Sturzgeschehen" vom Felsenhöhenweg in die Tiefe nachgestellt. Experten des Bundeskriminalamts scannten die Felswand ab, um ein dreidimensionales Bild des Gesteins zu erhalten und erkennen zu können, wie das Mädchen gefallen sein muss.
Die Polizei war in die Kritik geraten, weil es ihr trotz aufwendiger Suche nicht gelungen war, die Leiche von Tanja Gräff zu finden. Die Mutter Waltraud Gräff hatte Ende 2014 schwere Vorwürfe gegen die Ermittler erhoben. So sei der neue Freundeskreis ihrer Tochter aus der Death-Metal-Szene damals nicht ausreichend durchleuchtet worden. Auch seien die Beamten einigen Hinweisen viel zu spät nachgegangen.
Waltraud Gräffs Anwalt kritisierte die aktuelle Entscheidung der Staatsanwaltschaft. Die Einstellung des Verfahrens sei "bedauerlich und nicht nachvollziehbar", sagte Detlef Böhm. Es gebe noch Hinweise, denen nicht nachgegangen worden sei - manches sei eben noch nicht ausermittelt. Daher könne nicht ausgeschlossen werden, dass Tanja Gräff Opfer eines Verbrechens wurde.