Totes Kind in Aldingen: Mutter wegen Mordes vor Gericht - DER SPIEGEL
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Verhungertes Kind Mutter bezeichnet sich vor Gericht als überfordert

Sie litt nach eigener Aussage unter Depressionen, war nach einer Trennung mit ihrem Leben überfordert: Eine 25-Jährige aus dem Kreis Rottweil steht vor Gericht, weil sie laut Staatsanwaltschaft ihre kleine Tochter vor den Augen des Bruders verhungern ließ. Die Anklage lautet auf Mord.
Gerichtsgebäude in Rottweil: Prozessauftakt gegen angeklagte Mutter
Gerichtsgebäude in Rottweil: Prozessauftakt gegen angeklagte Mutter

Gerichtsgebäude in Rottweil: Prozessauftakt gegen angeklagte Mutter

Foto: Patrick Seeger / dpa
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Rottweil - Siebeneinhalb Monate nach dem Tod der knapp zweijährigen Maja aus Aldingen muss sich die Mutter wegen Mordes vor Gericht verantworten. Die 25-Jährige machte zu Prozessauftakt vor dem Landgericht Rottweil keine Angaben zu den Vorwürfen, äußerte sich aber zu ihrer Person. Sie gab an, vor dem Tod ihrer Tochter unter Depressionen gelitten zu haben. Nachdem sich ihr Lebensgefährte von ihr getrennt hatte, sei sie von der Situation überfordert gewesen.

Die Frau ist wegen Mordes und Misshandlung von Schutzbefohlenen angeklagt. Die Staatsanwaltschaft wirft der Angeklagten vor, ihre Tochter nicht ausreichend mit Essen und Getränken versorgt zu haben. Die Alleinerziehende soll das Kind 2012 über Pfingsten mit seinen älteren Brüdern zu lange alleingelassen haben. Als sie wieder nach Hause kam, war das Mädchen tot. Das Kind war verhungert und verdurstet in der Wohnung der Familie im Landkreis Tuttlingen aufgefunden worden.

Der Leitende Staatsanwalt Joachim Dittrich sagte, als die Großeltern nicht mehr für die Kleinen hätten sorgen können, seien die Kinder weitgehend sich selbst überlassen gewesen. Über die Rolle der Mutter sagte Dittrich: "Sie besorgte im Wesentlichen nur trockenes Toastbrot, zum Trinken gab es lediglich Leitungswasser."

In einer Stellungnahme, die ihr früherer Anwalt im August 2012 an die Staatsanwaltschaft schickte und die beim Prozessauftakt verlesen wurde, äußerte sich die Frau: "Ich habe schon gemerkt, dass Maja zuletzt wenig gegessen und getrunken hat. Das kam bei ihr aber öfter vor." Deshalb habe sie keine akute Gefahr für ihre Tochter gesehen.

Der achtjährige Bruder habe das Sterben seiner Schwester miterleben müssen, weshalb sich bei ihm eine psychische Störung entwickelt habe, hieß es. Er wird mittlerweile in einer psychiatrischen Kinderklinik betreut.

Nach dem Tod der Kleinen war auch das Jugendamt in die Kritik geraten. Ermittler fanden aber keine Anhaltspunkte dafür, dass das Kreisjugendamt eine Gefährdung des Mädchens hätte erkennen können. Der Prozess sollte am Mittwoch fortgesetzt werden. Insgesamt sollen 44 Zeugen und drei Sachverständige vor Gericht aussagen.

ulz/dpa/dapd