Scheidungsstreit Richter in Maryland wird nach Sorgerechtsurteil erschossen
Richter Wilkinson (l.) mit seiner Frau Stephanie bei der Vereidigung im Jahr 2020
Foto:Julie E. Greene / AP
Ein Richter aus dem US-Bundesstaat Maryland ist in der Einfahrt seines Hauses erschossen worden, mutmaßlich wegen seines Urteils in einem Scheidungsfall. Der 52-jährige Richter Andrew Wilkinson sei am Donnerstagabend mit mehreren Schusswunden vor seinem Haus aufgefunden worden, teilte das Washington County Sheriff’s Office mit. Er wurde in ein Krankenhaus gebracht und dort für tot erklärt.
»Dies war ein gezielter Angriff auf Richter Wilkinson«, sagte Sheriff Brian Albert auf einer Pressekonferenz in Hagerstown, einer Kleinstadt in der Nähe der Staatsgrenze zu Pennsylvania im äußersten Westen von Maryland. Als Verdächtiger gesucht werde der 49-jährige Pedro Argote. Er sollte am Donnerstag zu einer Scheidungsverhandlung vor dem Richter erscheinen, tauchte dem Sheriff zufolge aber nicht auf.
Wilkinson erließ ein Urteil, in dem er die Scheidung offiziell anerkannte und das alleinige Sorgerecht für die vier Kinder des Paares im Alter zwischen drei und zwölf Jahren der Mutter zusprach. Das geht aus den Gerichtsunterlagen hervor. Wilkinson ordnete zudem an, dass Argote keinen Kontakt zu den Kindern haben darf und monatlich 1120 Dollar Unterhalt zahlen muss. Die Entscheidung sei das Motiv für die Tötung, sagte der Sheriff.
Den Gerichtsakten zufolge war es zu einem chaotischen Rechtsstreit gekommen, nachdem Argote im vergangenen Jahr die Scheidung eingereicht hatte. In seinem ersten Gerichtsantrag hatte er seine Frau beschuldigt, ihre Pflichten als Hauslehrerin zu vernachlässigen und die Kinder nicht richtig zu beaufsichtigen. Sie reichte jedoch eine Gegenklage ein, in der sie Argote »grausame Behandlung« vorwarf und sagte, sie könne sich finanziell nicht selbst versorgen.
»Ich weiß, dass er seine Waffe immer bei sich trägt«
Tage später beantragte seine Frau eine einstweilige Verfügung. »Ich verlasse das Haus nicht ohne sein Wissen«, schrieb sie in den Gerichtsunterlagen. »Ich weiß, dass er seine Waffe immer bei sich trägt.« Ein Richter erließ eine einstweilige Schutzanordnung, die auch die Anweisung enthielt, dass Argote seine Schusswaffen abzugeben hatte. Die Anordnung wurde jedoch Wochen später auf Antrag der Frau wieder aufgehoben, wie aus den Gerichtsunterlagen hervorgeht.
Argote hatte wiederholt vorgeschlagen, dass seine Frau und er weiterhin im selben Haus wohnen, während sie ihr digitales Werbegeschäft in Ordnung brachten. Wilkinson schrieb in einer Stellungnahme vom März 2023, dass Argotes Vorschlag »offen gesagt ein Fehlstart« sei.
»Die Zeugenaussage hinterlässt bei diesem Gericht das ungute Gefühl, dass der Vater die absolute Kontrolle über die Mutter, ihre Finanzen und ihr Leben ausübt«, schrieb Wilkinson. »Dies ist nicht im besten Interesse der Kinder.« Argote wurde noch am selben Tag angewiesen, aus dem Haus seiner Familie auszuziehen.
Journalisten vor Wilkinsons Haus in Maryland
Foto: Jon Elswick / APAls die Suche nach Argote begann, wurden Polizisten des Bundesstaats Maryland eingesetzt, um die Häuser anderer Richter in der Region über Nacht zu schützen. Es sei aber vermutlich keine weitere Bedrohung zu erwarten, sagte der Sheriff. In jüngster Zeit waren auch mehrere andere US-Richter und ihre Angehörigen das Ziel von Gewalt geworden.
Wilkinson war im Jahr 2020 als Richter am Bezirksgericht vereidigt worden. »Richter Wilkinson war ein großartiger Mensch, Vater, Ehemann und Richter, und ich bin glücklich, ihn gekannt und mit ihm gearbeitet zu haben«, schrieb die Anwältin Ashley Wilburn, die in dem Verfahren Argotes Kinder vertrat. »Er ist ein Held.«