USA Todesstrafe-Gegner hoffen auf weitere DNA-Tests
Washington - Es war eine Premiere: Im Fall des 1992 wegen Mordes und Vergewaltigung zum Tode verurteilten Roger Coleman hatte zum ersten Mal ein US-Gouverneur angeordnet, dass ein Labor posthum eine DNA-Probe des Hingerichteten überprüfen soll. Wäre Colemans Unschuld, die er bis kurz vor seinem Tod immer wieder beteuert hatte, bewiesen worden, hätten Menschenrechtler endlich ein langersehntes, schlagkräftiges Argument gegen die Todesstrafe gehabt: den endgültigen Nachweis, dass das US-Justizsystem nicht darüber erhaben ist, sich zu irren - und einen Unschuldigen im Namen des Staates zu töten. Doch der Test ergab: Coleman war schuldig.
Dennoch hoffen diejenigen, die sich für eine Abschaffung der Todesstrafe einsetzen, auf ein Umdenken. Andere Gouverneure könnten dem Beispiel des Amtskollegen aus Virginia, Mark Warner, folgen und DNA-Tests für Hingerichtete zulassen. Bei mehreren hundert Fällen lägen noch DNA-Proben vor, die man nutzen könne, sagt Peter Neufeld, Direktor des Innocence Project, einer Initiative zur Überprüfung von zweifelhaften Urteilen. "Die übrigen 49 Gouverneure der USA sollten nun wissen, was sie zu tun haben", sagte er der "New York Times".
Der Demokrat Warner wird als Kandidat für die Präsidentschaftswahl 2008 gehandelt. Er hatte im November dem Gnadengesuch des verurteilten Mörders Robin Lovitt stattgegeben. Dieser wäre ansonsten das 1000. Exekutionsopfer seit der Wiedereinführung der Todesstrafe in den Vereinigten Staaten 1977 gewesen.
Bislang wurde nie posthum die Unschuld eines Exekutierten nachgewiesen. Nach dem Fehlschlag im Fall Coleman ist zumindest James McCloskey bitter enttäuscht. "Das Ergebnis ist ein Schlag in die Magengrube", sagte der Gründer von Centurion Ministries. Diese Organisation hat sich der Aufklärung von Fällen verschrieben, in denen die Schuld eines Angeklagten nicht zweifelsfrei erwiesen scheint. McCloskey hatte Coleman noch am Tag der Hinrichtung versprochen, sich um seinen Fall zu kümmern. Nun, nach dem Test, sei er angewidert darüber, dass Coleman ihn so erfolgreich hinters Licht geführt hat.
Den Ergebnissen zufolge stammten die am Tatort gefundenen Sperma-Spuren tatsächlich von Roger Coleman, hatte Warners Büro mitgeteilt. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine andere Person das gleiche DNA-Profil aufweise, liege bei eins zu 19 Millionen. Damit hätten sich die Verurteilung und die Hinrichtung Colemans als richtig bestätigt. Er bete für die Familie der ermordeten Wanda McCoy, erklärte Warner. Die DNA-Analyse war im forensischen Institut von Toronto in Kanada vorgenommen worden.
Coleman war 1982 wegen Vergewaltigung und Mordes an seiner Schwägerin Wanda McCoy ein Jahr zuvor zum Tode verurteilt worden, hatte Zeit seines Lebens jedoch seine Unschuld beteuert. 1992 wurde er hingerichtet.