Indien Proteste gegen Freilassung von Vergewaltiger
Inder protestieren gegen Freilassung: "Nirbhaya braucht Gerechtigkeit"
Foto: Chandan Khanna/ AFPDer grausame Fall im Dezember 2012 hatte weltweit Wut und Entsetzen hervorgerufen: Sechs Männer vergewaltigten und misshandelten eine 23-jährige Frau vor den Augen ihres männlichen Begleiters in einem Bus so schwer, dass sie knapp zwei Wochen später ihren Verletzungen erlag. Ihr Freund überlebte.
Es gab daraufhin enorme Proteste in Indien. Zehntausende forderten, Frauen müssten besser vor sexuellen Übergriffen geschützt werden. Gesetze wurden verschärft, Gewalt gegen Frauen wird seitdem in der indischen Öffentlichkeit stärker thematisiert. Weltweit wurde über den Fall "Nirbhaya" berichtet, vier der Täter zum Tod durch Galgen verurteilt, ein fünfter Mann starb im Gefängnis.
Der jüngste der Peiniger war zum Tatzeitpunkt erst 17 Jahre alt und wurde nach Jugendstrafrecht zu drei Jahren in einer Erziehungsanstalt verurteilt. Am Sonntag hat er diese Freiheitsstrafe verbüßt und wurde entlassen. Hunderte Inder demonstrierten dagegen in den Straßen Neu Delhis. Auf Schildern beschwörten sie "Nirbhaya braucht Gerechtigkeit" und "Nirbhaya ist auch meine Tochter".
Die Eltern des Opfers hatten versucht, die Entlassung zu verhindern und ebenfalls zu einer Kundgebung aufgerufen, die die Polizei am Sonntag verhinderte. Tausende Menschen unterzeichneten eine Petition, die eine Verlängerung seiner Freiheitsstrafe fordert. Aktivisten und Politiker forderten, der Mann dürfe erst entlassen werden, wenn bewiesen werden könne, dass er sich gebessert habe. Doch der Oberste Gerichtshof Neu Delhis wies die Forderungen zurück: Der junge Mann habe die höchste Strafe verbüßt, die für sein Alter vorgesehen ist. Am Montag soll dem Gericht eine weitere Petition der Frauenrechtlerin Swati Maliwal vorgelegt werden.
Besonders ungerecht empfinden die Menschen, dass der Täter vor der Öffentlichkeit geschützt wird. Er soll unter einem anderen Namen registriert und seine Eintragung aus dem Strafregister gelöscht werden, berichtet die BBC .
Der Fall hatte auch medial für großes Aufsehen gesorgt. Die BBC hatte mit einem der zum Tode verurteilten Täter ein Interview geführt, das im Film "India's Daughter" (Indiens Tochter) gezeigt wurde. Darin sagt einer der Täter, die Verantwortung für das Verbrechen trage das Opfer. Seiner Ansicht nach seien Frauen, die abends ausgehen, selbst schuld, wenn sie die Aufmerksamkeit von Vergewaltigern auf sich ziehen würden. Die Eltern der Studentin hatten die BBC-Dokumentation unterstützt. In Indien wurde der Film verboten.