Vergewaltigungsprozess: Südafrikas Ex-Vize freigesprochen - DER SPIEGEL
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Vergewaltigungsprozess Südafrikas Ex-Vize freigesprochen

Der Vorwurf lautete Vergewaltigung, und im Falle einer Verurteilung hätten ihm wohl bis zu 15 Jahre Haft gedroht. Doch jetzt kann der südafrikanische Ex-Vizepräsident Jacob Zuma aufatmen. Der Vorsitzende Richter sprach ihn frei.
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Johannesburg - Die Beweislage sei widersprüchlich, begründete der Vorsitzende Richter Willem van der Merwe sein Urteil. Er gehe davon aus, dass der Geschlechtsverkehr einvernehmlich stattfand. Zuma selbst hatte die Vergewaltigungsvorwürfe gegen ihn stets bestritten. Der Politiker räumte zwar den Sex mit der HIV-infizierten Frau ein, betonte aber, beide hätten in beiderseitigem Einverständnis miteinander geschlafen. Die Vorwürfe seien Teil einer politischen Verschwörung gegen ihn.

Dagegen hatte die Staatsanwaltschaft argumentiert, die Frau aus dem Freundeskreis von Zumas Familie hätte wegen ihrer HIV-Infektion niemals ungeschütztem Geschlechtsverkehr zugestimmt. Außerdem habe die 31-Jährige den Angeklagten als Vaterfigur betrachtet. Dem jedoch wollte der Vorsitzende Richter nicht folgen. Er verwies dabei auch darauf, dass die Frau schon früher in anderen Fällen Vergewaltigungsvorwürfe erhoben habe, die sich als falsch herausgestellt hätten.

Der Prozess war einer der spektakulärsten seit dem Ende der Apartheid. Er hatte die Öffentlichkeit wochenlang in Atem gehalten und zu einer Polarisierung von Anhängern und Gegnern Zumas geführt. Unter anderem hatte der 64 Jahre alte Ex-Vize Empörung bei Aids-Aktivisten mit der Aussage hervorgerufen, er habe zwar beim Geschlechtsverkehr kein Kondom benutzt, aber anschließend geduscht, um das Risiko einer HIV-Infektion zu reduzieren.

Während der Urteilsverkündung demonstrierten Tausende Anhänger Zumas vor dem Saal, die von dessen Unschuld überzeugt sind. Sie sangen Protestlieder und riefen "Zuma, mein Präsident". Auf einem Plakat war zu lesen: "Vizepräsident Jacob Zuma, Sie sind unschuldig und entlastet". Nach dem Freispruch brachen Zumas Anhänger in Jubel aus.

Um das Gericht herrschten scharfe Sicherheitsvorkehrungen, die Urteilsverkündung wurde live in Radio und Fernsehen übertragen. Polizisten standen bereit, um bei gewaltsamen Protesten einschreiten zu können. Als Weggefährte Nelson Mandelas im Kampf gegen die Apartheid galt Zuma lange Zeit als einer der aussichtsreichsten Kandidaten für die Nachfolge von Präsident Thabo Mbeki, dessen Amtszeit 2009 endet. Präsident Mbeki hatte ihn im Juni vergangenen Jahres wegen eines Korruptionsskandals entlassen. Der Prozess dazu beginnt im Juli. Beobachter sehen Zuma nach dem Vergewaltigungsprozess als politisch schwer angeschlagen.

aki/dpa/reuters/AP