Vermisster Felix Entsetzen nach Leichenfund in 15 Meter tiefem Brunnen
Hohenthann - Hundertschaften der Bereitschaftspolizei und Feuerwehrmänner sowie eine 20 Mann starke Sonderkommission hatten die Gegend in und um das niederbayerische Hohenthann-Weihenstephan im Landkreis Landshut nach Felix durchkämmt - vergeblich. So beschloss die Einsatzleitung heute früh, noch einmal dort zu suchen, wo der 14-Jährige zuletzt gesehen wurde - auf dem Gelände des großelterlichen Schlosses.
Um 9.40 Uhr entdeckten Taucher die Leiche des Jungen in einem 15 Meter tiefen Brunnen im Kellergewölbe eines der Schlossgebäude. Es handelt sich dabei um die ehemalige Wasserversorgungsquelle des aus dem 17. Jahrhundert stammenden barocken Schlossgebäudes, in der sechs Meter hoch Wasser stand. Wie und warum Felix dort hineingefallen ist, ist noch unklar.
"Wir ermitteln in alle Richtungen", erklärte Rupert Grasmüller, Sprecher der Polizeidirektion Landshut, SPIEGEL ONLINE. Die Obduktion des Leichnams werde zeigen, ob es sich um ein Verbrechen oder einen Unfall handelt. Auch Selbstmord könne man noch nicht ausschließen. Der Fundort der Leiche sei derzeit großräumig abgesperrt.
Felix' Mutter, sein jüngerer Bruder Philipp und seine Großeltern hielten sich während der fieberhaften Suche in dem Wasserschloss auf. Die Nachricht versetzte ihnen allen einen großen Schock. "Psychologen kümmern sich um die Angehörigen", so Grasmüller. Nachdem deutsche Zollbeamte erklärt hatten, dass sie einen Jungen an der niederländischen Grenze gesehen hätten, auf den Felix' Beschreibung gepasst hatte, hatten sie sich an die Hoffnung geklammert, dass Felix nur ausgebüchst sei.
Auch die Polizei glaubte, Felix lebend zu finden. Man habe von Anfang an vermutet, der 14-Jährige habe sich versteckt. "Wir sind davon ausgegangen, dass er sich ein paar Tage von der Familie absetzen wollte", so Grasmüller. Erst als die Polizei alle Verwandten und Freunde in der ganzen Republik abgeklappert hatte und es keine Hinweise auf Felix' Aufenthaltsort gab, habe man sich erneut auf das Schlossgelände konzentriert. Deshalb habe man erst heute früh Taucher in den tiefen Brunnen, der davor bereits mehrmals von außen untersucht worden war, geschickt.
Die Eltern haben sich erst kürzlich getrennt
Der Schüler des evangelischen Gymnasiums Hermannswerder in Potsdam hatte mit seiner Mutter Maria, 41, und seinem elfjährigen Bruder Philipp das Weihnachtsfest bei seinen Großeltern auf dem Schloss verbracht. Am vergangenen Freitag sollte der Junge mit seiner Mutter wieder zurück nach Potsdam fahren. Seine Eltern, die sich erst kürzlich getrennt haben, hatten nach dem Verschwinden erklärt, ihr Sohn habe sich sehr auf eine Silvester-Party mit seinen Freunden in Potsdam gefreut. Es habe keinen Streit in der Familie gegeben, der Anlass zu Spekulationen gebe. Der Vater war in Sorge um seinen Sohn am 1. Januar zu der Familie nach Bayern gereist.
Seit Donnerstag vergangener Woche fehlte von dem blonden, 1,80 Meter großen Jugendlichen jede Spur, nachdem er mit seinem Großvater ein Museum in Ingolstadt besucht hatte. Gegen 15 Uhr kehrten sie auf das Schloss zurück. Nach Angaben des Großvaters zog sich Felix in eines der Gästezimmer zurück, in denen er während seiner Ferien übernachtete. Unbeobachtet muss er das Schloss verlassen haben. Nachdem die Familie den 14-Jährigen nirgendwo auffinden konnte, meldete der Großvater seinen Enkel am frühen Abend als vermisst.
Mit Bestürzung reagierte die Potsdamer Privatschule, die Felix besuchte, auf die traurige Nachricht. "Das macht mich sehr betroffen", sagte der Vorstandsvorsitzende der Hoffbauer-Stiftung, Frank Hohn. Bis zuletzt habe er mit Felix' Familie gehofft, gebangt und gebetet.
Mit Material von dpa