Verschwundene Maddie: Polizei fasst Verdächtigen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Verschwundene Maddie Polizei fasst Verdächtigen

Auf der Suche nach der vierjährigen Maddie hat die Polizei nach eigenen Angaben einen Verdächtigen gefasst. Laut Sky News handelt es sich um den 32 Jahre alten Robert M. Die Ermittler halten die Identität des Mannes aber bislang geheim.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

London/Lissabon - Nach Angaben einer Polizeisprecherin ist ein Verdächtiger gefasst. Ob es sich um M. handelt, dessen Haus und Grundstück die Ermittler durchsucht haben, dazu äußerte sie sich nicht.

Die Polizei verhörte Robert M. gestern Abend. Auch das Haus des Mannes in der Nähe der Ferienanlage, aus der Madeleine McCann verschwunden war, sei durchsucht worden, berichtete die Nachrichtenagentur Lusa. Die Ermittler ließen das Wasser aus dem Pool ab, um auf dem Grund nach Hinweisen suchen zu können. Die Fahnder waren mit Spürhunden und einem Team aus Spurensicherungsexperten vor Ort. Laut "Daily Mail" wurde M. schon seit Tagen von der Polizei überwacht. In der Onlineausgabe des Blattes werden Zeugen zitiert, die gesehen haben wollen, wie die Ermittler Videobänder, einen Computer und mehrere Decken aus dem Haus trugen.

Die Mutter des Mannes, die ebenfalls in der Villa "Casa Liliana" wohnt, hatte am Morgen dem britischen Fernsehsender Sky News bestätigt, dass ihr Sohn verhört wurde, bestritt aber alle Vorwürfe. "Es kann einfach nicht sein, dass er irgend etwas mit der Sache zu tun hat", sagte sie der "Daily Mail". "Er ist unschuldig." Sein Onkel betonte, der Neffe habe ein Alibi für die Tatzeit. Er habe sich den ganzen Abend mit seiner Mutter im Haus aufgehalten, sagte er dem Fernsehsender BBC. Ein Polizeisprecher schränkte ein, M. sei nur einer von neun Zeugen. Er sei nicht festgenommen worden.

Sky News berichtete, der Mann habe nach dem Verschwinden der vierjährigen Maddie für die Polizei als Dolmetscher für die Befragung von Zeugen gearbeitet. Den Angaben zufolge handelt es sich um Robert M., dessen Vater Portugiese sei. Bei einem Unfall in seiner Kindheit habe M. ein Auge verloren, hieß es laut "Sun" von örtlichen Behörden.

Der Brite ist den Angaben zufolge geschieden und lebt seit drei Jahren mit seiner 71 Jahre alten Mutter und seinem Sohn in Praia da Luz, wo er angeblich für eine Immobilienfirma arbeitet. Reportern vor Ort sagte M., er habe eine vier Jahre alte Tochter, die Madeleine sehr ähnlich sehe. Der Verdächtige wohnte mit seiner Exfrau in der britischen Grafschaft Norfolk, bevor er nach Portugal umsiedelte, wie Nachbarn laut einem Bericht der Nachrichtenagentur PA erklärten. Er komme in regelmäßigen Abständen nach Hockering, um seine Tochter zu besuchen, die in diesem Jahr eingeschult werde.

Auf den Mann aufmerksam geworden ist die Polizei dem Bericht zufolge durch den Hinweis einer britischen Journalistin. Diese habe das Verhalten des Mannes als seltsam beschrieben. "Er ist am Freitagnachmittag plötzlich aufgetaucht und hat sich benommen wie jemand, der an der offiziellen Untersuchung beteiligt ist", wird Lori Campbell vom "Sunday Mirror" zitiert. Auf Nachfragen hin, wer er sei, habe er sich mit vagen Angaben herausgeredet.

Nach Angaben des portugiesischen Fernsehens wurden außerdem zwei weitere Personen verhört. Es soll sich dabei um eine Deutsche und einen Portugiesen handeln. Details zur Identität der beiden wurden bislang nicht bekannt.

Die vierjährige Madeleine war am 3. Mai aus der Ferienwohnung ihrer Familie an der Algarve-Küste verschwunden, während die Eltern Gerry und Kate in einem nur wenige Meter entfernten Restaurant zu Abend aßen. Ihre zweijährigen Geschwister Sean und Amelie fanden die Eltern friedlich schlafend in ihren Betten vor. Die Eltern sind nach dem Verschwinden des Mädchens in Portugal geblieben und warten verzweifelt auf neue Nachrichten.

Für Hinweise, die die Fahnder auf die Spur des Kindes bringen könnten, ist eine Belohnung in Millionenhöhe ausgesetzt. Die Polizei brach die Suche nach Madeleine in der vergangenen Woche ab, verfolgt aber mehrere Spuren. Sie geht von einer Entführung aus und schließt nicht aus, dass Madeleine ins Ausland verschleppt wurde.

ffr/AFP/AP/Reuters